Ansprechen

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Neben dem klassischen, passiven Trampen mit Handzeichen oder Schild ist die oft bessere oder effektivere Möglichkeit, aktiv auf Leute zu zugehen und sie anzusprechen – eine kommunikative Ader hilft natürlich ungemein anfängliche Scheu und Kommunikationsprobleme zu überwinden...

Man kann sich auch ein tragbares CB-Funkgerät mitnehmen und versuchen z.B. an Autobahnauffahrten oder Raststätten z.B. Lastwagenfahrer anzufunken...

Warum?

Es sind meist Ängste und Vorurteile, die das Zusammenkommen von Trampern und Mitnehmenden verhindern. Diese lassen sich weitaus leichter auf einen anonym an der Straße stehenden Menschen projizieren. Im direkten Gespräch können sich beide Parteien meist gegenseitig besser einschätzen als es im Vorbeifahren oder zwischen Tür und Angel möglich ist. Man kann sich mit Worten schon gegenseitig etwas betasten, das Gegenüber besser einschätzen und eine bessere Entscheidungsgrundlage bekommen, ob man „zu jemand fremdes ins Auto steigt“ bzw. es vertretbar ist, jemanden mitzunehmen oder nicht... Besonders bei Dunkelheit ergibt sich oft der Vorteil, dass beim Ansprechen zusätzliche Ängste weniger zum Tragen kommen.

Vorab schon in Kontakt zu kommen, Motive und Beweggründe des Anderen – vielleicht auch schon etwas über seine Persönlichkeit zu erfahren, kann interessant sein und Spaß bringen oder manchmal zumindest klärende und interessante Konfrontationen...

Oft tritt im Gespräch mehr zutage als anfangs möglich schien. Es kann sich im Gespräch ein vom Fahrer unpassend geglaubter Fahrweg z.B. doch noch als für den Anhalter nützlich herausstellen.

Es kann natürlich eventuell für den einen oder die andere etwas Selbstüberwindung kosten, damit anzufangen, doch wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, fällt es zunehmend leichter, und kann einen auch schonmal aus scheinbar aussichtslosen Situationen retten.

Wo?

Gute Orte zum Fragen sind Ampeln, Tankstellen, Raststätten, Autohöfe (außerhalb Autobahn), Ausfallstraßen, Autobahnzubringer, Staus ...

Ampel

Hier kann man dem Fahrer entweder gestisch sein Anliegen vermitteln oder dem/der Fahrer/-in möglichst unaufdringlich bedeuten, dass man mit ihm/ihr reden möchte, um sie/ihn dazu zu bringen, z.B. ein Fenster zu öffnen.

Tankstellen

Man kann sich hier z.B. an den Weg zur Kasse stellen oder den Fahrer fragen, wenn er gerade tankt oder ein- oder aussteigt oder zur Not auch sitzengebliebene Beifahrer fragen.

Raststätte

Besonders an Raststätten und ähnlichem ist es meist deutlich vorteilhafter zu fragen, als sich passiv an die Ausfahrt zu stellen. Sofern man nicht die eingebaute Tankstelle nutzt kann man hier z.B. ein- oder aussteigende Leute fragen oder solche, die auf dem Weg von oder zu ihrem Wagen sind, man kann sich an den Ein-/Ausgang des Restaurants stellen oder oder oder...

Wen?

Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen man sortieren kann, wen man fragt oder nicht fragt. Man kann anhand des Kennzeichens mutmaßen, ob die Richtung günstig ist oder anhand des Modelles mutmaßen, ob man mit einem Fahrzeug vielleicht schneller unterwegs sein könnte. Solch eine Vorauswahl bedeutet jedoch oft nur eine unsinnige Einschränkung. Kennzeichen müssen nichts bedeuten – nicht jeder ist auf dem Heimweg und es ist noch nicht einmal jedes Fahrzeug an seinem Heimathafen gemeldet; ob ein Automodell schneller fährt oder nicht ist oft von untergeordneter Bedeutung, da beim Trampen der meiste Zeitverlust als Stehzeit auftritt und so ein direkterer Lift oder einer zu einer geeigneteren Stelle, weit mehr nutzt, als eine schnelle Fahrt zu haben. Es ist sinniger, zunächst jeden zu fragen und dann anhand des Fahrzieles oder des Vertrauens eine fundiertere Entscheidung treffen zu können.

Wann?

Wenn der Gefragte am entspanntesten Zeit hat und nicht erst im letzten Moment. So hat das Gegenüber noch Zeit zu überlegen und vielleicht noch umzuräumen. Wenn das Gegenüber noch Zeit hat, die Möglichkeit durchzuspielen und sich damit anzufreunden oder überhaupt erst noch zu erkennen, dass es möglich und praktisch ist, Dich mitzunehmen, so fühlt es sich nicht überrumpelt und hat besser die Möglichkeit nach eigener Überlegung eine selbstbestimmte Entscheidung zu fällen und fühlt sich wohler damit, als wenn ihm die Entscheidung von den Umständen aufgezwungen wird. Oft hilft das zu einer doch noch positiven Entscheidung. Es erfordert manchmal natürlich etwas Kreativität und Feingefühl einen günstigen Augenblick zum Fragen zu erwischen. Wenn der Mensch mit etwas anderem beschäftigt ist und z.B. pinkelt ist es eher ungünstig... Beim Tanken, auf dem Weg von oder zum Auto, ...

alex: Ich spreche gerne Fahrer an wenn sie gerade am Tanken sind. Wenn sie ankommen, dann haben sie den Kopf voll und müssen erst einmal sicher gehen, nicht das Falsche zu tanken. Wenn sie gerade Tanken, dann haben sie zwei Minuten Zeit in denen sie eigentlich nichts machen können und sich entspannt unterhalten können. Danach steht das Bezahlen im Vordergrund und danach sind sie, nach meiner Erfahrungen, gedanklich schon wieder auf der Autobahn und man wird eher als Hindernis wahrgenommen. Wenn aber Augenkontakt zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen wird -und man sich gegenseitig wahrnimmt-, sollte man die Person gleich ansprechen, da ansonsten ein komisches Gefühl des "des Beobachtetwerdens" sich beim Fahrer breit machen kann. Dies wirkt sich nach meiner Erfahrung eher unbewusst negativ auf die Mitnahmebereitschaft des Fahrers aus.

Wie?

Fahrer stecken oft nicht so in den Denkmustern eines Trampers, dass sie oft sogar in eine günstige Richtung fahren und sich doch nicht vorstellen können, dass es von Nutzen sein könnte, da ihnen nur auffällt, dass ihr Fahrziel nicht mit Deinem Ziel übereinstimmt. Oft kann es daher günstig sein, die geplante Fahrtroute zu beschreiben oder nur zu fragen, ob eure Strecken bis zur nächsten Verzweigung beziehungsweise darum herum, zur nächsten Raststätte oder ähnlichem übereinstimmen.

Auch wenn man jemanden gefunden hat, der vielleicht wahrscheinlich bereit ist, Dich mitzunehmen, so ist es doch von Vorteil dennoch weiterzufragen – oft überlegt es sich jemand doch noch anders oder es tut sich noch eine bessere Gelegenheit auf.

Jemanden mit einem Bisschen seiner Muttersprache ansprechen zu können, ist oft von Vorteil...

Wann / Warum nicht?

Bei manchen Trampern ist das Ansprechen nicht gebräuchlich, dies wird als ein zu tiefen Eingriff in die Freiheit des Fahrers gesehen. Wer jemanden mitnehmen möchte, der soll anhalten, wenn er einen sieht. Oft haben diese Tramper aber Handzeichen und (indirekte) Stopmethoden sehr perfektioniert. Manche Tramper finden Ansprechen außerdem unsportlich und ziehen deshalb die klassische Tramptechnik vor.

Etiquette

Ein Tramper sollte beim Ansprechen nichts machen was den Fahrer veranlassen könnte einen anderen Tramper nicht mehr mitzunehmen. Es kann durchaus sein, dass jemand schlechte Laune hat oder ein ungutes Gefühl hat wenn er zum ersten Mal angesprochen wird. Dies muss also nicht unbedingt an einem selber oder am Fahrer liegen. Deshalb gilt es also immer schön freundlich bleiben und den Weg für den nächsten Tramper ebenen.

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