Ausflug ins Graubünden

July 26th, 2009

HINWEG: Biel/Bienne-Bern-Zürich-Landquart-Zernez, 333km.

Gemäss Routenplaner brauche ich für die Strecke 4h20min reine Fahrzeit. Ich starte in Biel um 10 Uhr Vormittags. Mit zwei Lifts komme ich nach Bern. (Normalerweise ist Biel-Bern super easy und mit einem Auto schnell zu schaffen). Dort besuche ich noch jemanden, und um 12.30 Uhr stehe ich endlich an der Auffahrt Bern-Ostring.

Zehn Minuten Wartezeit, dann hält Beat an, ein tätowierter Motorradfahrer, der eigentlich in Kalifornien und Hawaii lebt, aber sich zur Zeit um seine Eltern in der Schweiz kümmert. Super Typ. Er fährt nach Basel, also steige ich auf meiner Stamm-Raststätte Deitingen aus. Dort stehe ich mit “Zürich”-Schild, obwohl ich kurz vor Zürich über die neu eröffnete Westumfahrung in Richtung Chur muss. Nach wenigen Minuten hält ein junger Mann. “Wohin fahren Sie?” – “Zürich” – OK, ich steige ein und während wir losfahren sage ich, dass ich zwei Tankstellen weiter schon wieder aussteigen werde, ich müsse nämlich auf die Westumfahrung. Er auch!, sagt er, denn er fahre ins Glarnerland. Perfekt – das ist auf halbem Weg zwischen Zürich und Chur. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass ich ihn wärhend der nächsten drei Wochen im Fernsehen sehen kann. Er macht beim Projekt Alpenfestung mit. Nach einer äusserst kurzweiligen Fahrt bringt er mich auf die Raststätte Glarnerland.

Es ist wenig los.. kaum Autos, und die Tankstelle ist verwaist… Nach einer kurzen Verpflegungspause stelle ich mich bei der Einfahrt hin. Zehn Minuten lang passiert nichts. Dann nähert sich ein LKW und hält an. Er fährt ins Tessin und versichert mir, dass er mich in Landquart absetzen werde (“Kein Ding”). Ein netter Fahrer aus Berlin, der jede Woche in die Schweiz fährt, mit Campingartikeln. Seine Klimaanlage ist auf gefühlte minus 10 Grad eingestellt, aber sobald er merkt, dass ich friere, stellt er sie ab. In Landquart fährt er von der Autobahn runter, blockiert einen gesamten Kreisverkehr, damit ich aussteigen kann, und fährt weiter.

Die Gegend um die Autobahnauffahrt Landquart ist schwierig zum Trampen. Es gibt nur eine Schnellstrasse, die ins Tal hinaufführt in Richtung Klosters/Davos, und keine Haltemöglichkeiten ausser eine kleine Strasse, die von der Schnellstrasse wegführt. Dort versuche ich mein Glück. Tatsächlich hält auch schon nach zehn Minuten einer. Er fährt nach Davos und bringt mich netterweise bis Klosters. Nach einem Blick auf die Uhr (beinahe 17 Uhr) beschliesse ich, den Zug zu nehmen. Die Autozüge fahren nur zweimal pro Stunde, und ich weiss nicht mal, wo die Verladerampe ist.

RÜCKWEG: Zernez-Flüelapass-Landquart-Zürich-Biel/Bienne: ca. 300km.

Zuerst muss ich anderthalb Stunden von einer Alp runterlaufen. Endlich in Zernez angekommen, laufe ich durchs Dorf, und nach einigen Kurven halte ich mein “Flüelapass”-Schild raus. Es ist ca. 15 Uhr. Das zweite Auto hält an. Es ist ein Abschleppdienst – er muss auf den Flüelapass (2’383müM) und dort einen Holländer abschleppen. Oben auf dem Pass ist es kalt.. Es liegen noch Schneereste da.. Es gibt ein kleines Gasthaus und einen Parkplatz mit vereinzelten Autos und vielen Motorrädern. Lange stehe ich an der Strasse und strecke den Touristen mein “Landquart”-Schild und meinen Daumen entgegen, aber keiner hält, nicht mal die Einheimischen. Ein Rentnerpaar fotografiert das Gasthaus, den See, den Schnee, die Wiesen, die Felsen. Als sie an mir vorbeilaufen, fragt mich der Mann, wo Landquart liege. Es stellt sich heraus, dass sie nach Davos fahren, und sie sind auch so nett, mich bis dahin mitzunehmen. Ein Ehepaar aus Grimma (zwischen Leipzig und Dresden). Das ist schon das dritte Mal, dass mich jemand aus Grimma mitnimmt!

In Davos stehe ich nur eine Minute an der Hauptstrasse. Dann bringt mich ein Elektromonteur nach Landquart. Nun bin ich wieder in diesem Kreisverkehr an der Autobahnauffahrt. Es ist beinahe unmöglich, dort zu trampen. Die Strasse ist nicht breiter als eine Autobreite, es herrscht viel Verkehr, alle rasen von der Schnellstrasse durch den Kreisel auf die Autobahn. Ausserdem beginnt es gerade zu regnen. Aber wie es so ist mit doofen Stellen – es gibt immer auch Leute, die gerade deshalb, aus Mitleid, anhalten. So auch der Kosovare, der nach Zürich fährt. Wunderbar. Nach wenigen Kilometern geraden wir in einen Stau und bleiben dort auch eine Weile…. Nach einer Ewigkeit nähern wir uns endlich Zürich, und er ist so superlieb, dass er sogar etwa 10km zu weit fährt, um mich auf die Raststätte Würenlos auf der A1 zu bringen.

Dort warte ich ca. 5 Minuten an der Auffahrt. Dann hält ein langhaariger Typ, der mit seinem Sohn unterwegs an den Neuenburgersee ist. Sie sind beide äusserst kommunikativ und laden mich ein, sie am See zu besuchen. Ich könnte sogar jetzt gerade mit ihnen mitfahren, und sie würden mich dann mit ihrem Boot vom Neuenburgersee via Kanal in den Bielersee und bis nach Biel fahren!! Ich bin überzeugt, dass sie das wirklich getan hätten, und hab mir das auch überlegt (wäre doch hammer, ein Boot getrampt zu haben!). Aber erstens würde ich erst gegen Mitternacht ankommen, zweitens regnet es, und drittens und am wichtigsten: Immer mehr machen sie ausländerfeindliche Bemerkungen. Das halte ich nicht lange aus. Nach kurzer und intensiver Diskussion über “Ausländerkriminalität” kommt die Raststätte Deitingen – there we are again.

Die Raststätte Deitingen in Richtung Bern/Biel ist immer so eine Sache… 90% der Autos fahren nach Bern, ich muss aber vorher abbiegen nach Biel. Manchmal hab ich Glück, meistens dauert es etwas länger. So auch heute. Dann aber passiert das abgefahrenste Erlebnis, das ich je hatte in meiner Trampkarriere:

Ich stehe bei der Auffahrt zur Autobahn mit “Biel”-Schild. Einige Meter neben mir liegt die Autobahn, hunderte Autos rasen vorbei. Plötzlich bremst eines davon abrupt ab und hält nach der Raststätte auf dem Pannenstreifen an. Dann fährt es rückwärts auf die Raststätte zu. Zur gleichen Zeit fährt aber ein LKW von der Raststätte auf die Autobahn, so dass das Auto wieder einige Meter nach vorne fahren muss. Die Autobahn ist zu dieser Zeit wirklich sehr befahren, beide Spuren sind voll mit Autos, die alle mind. 120km/h fahren! Schliesslich hat es das Auto geschafft und steht auf der Raststätte und neben mir. Der Fahrer winkt mir, ich solle einsteigen! Er und seine Freundin fahren nach Biel – an eine Strasse, die nur 100m neben meinem Haus liegt!! Um 20 Uhr bin ich zuhause.

Bern-Zürich, Sonntagvormittag

September 18th, 2008

Sonntagvormittag, laufe zur Autobahnauffahrt Ostring und wer steht da?? Die Polizei! 5 Polizisten, ein Polizeiauto, ein Kastenwagen, zwei andere Autos = irgendeine Kontrolle. Zum Glück entscheide ich mich zu warten und fahre noch nicht ans andere Ende der Stadt, denn schon nach ein paar Minuten ziehen die Uniformierten ab und überlassen mir mein Plätzchen.
Wie erwartet ist am Sonntagvormittag niemand unterwegs ausser vollgestopfte Familienautos. Ich beschliesse, mindestens eine halbe Stunde lang mit “Zürich”-Schild auf eine Direktfahrt zu hoffen. Sonst würde ich das Schild wegpacken und von Auffahrt zu Auffahrt trampen… Nach 20 Minuten werde ich aber von einer netten jungen Frau mitgenommen. Zwar nicht bis Zürich, aber Lenzburg liegt nur 20 Minuten vor Zürich und ich kann mir vorstellen, dass von dort aus viele in die Stadt reinfahren. Tatsächlich werde ich in dieser komischen Ausfahrt, welche mitten im Nirgendwo liegt, prompt von einem sehr interessanten und netten mexikanischen Meeresbiologen, der aber in Zürich als Ingenieur arbeitet, mitgenommen. Er muss zwar nicht nach Zürich rein, hat aber genug Zeit, um mich in der Stadt abzusetzen. Perfekt!