Ausflug ins Graubünden
HINWEG: Biel/Bienne-Bern-Zürich-Landquart-Zernez, 333km.
Gemäss Routenplaner brauche ich für die Strecke 4h20min reine Fahrzeit. Ich starte in Biel um 10 Uhr Vormittags. Mit zwei Lifts komme ich nach Bern. (Normalerweise ist Biel-Bern super easy und mit einem Auto schnell zu schaffen). Dort besuche ich noch jemanden, und um 12.30 Uhr stehe ich endlich an der Auffahrt Bern-Ostring.
Zehn Minuten Wartezeit, dann hält Beat an, ein tätowierter Motorradfahrer, der eigentlich in Kalifornien und Hawaii lebt, aber sich zur Zeit um seine Eltern in der Schweiz kümmert. Super Typ. Er fährt nach Basel, also steige ich auf meiner Stamm-Raststätte Deitingen aus. Dort stehe ich mit “Zürich”-Schild, obwohl ich kurz vor Zürich über die neu eröffnete Westumfahrung in Richtung Chur muss. Nach wenigen Minuten hält ein junger Mann. “Wohin fahren Sie?” – “Zürich” – OK, ich steige ein und während wir losfahren sage ich, dass ich zwei Tankstellen weiter schon wieder aussteigen werde, ich müsse nämlich auf die Westumfahrung. Er auch!, sagt er, denn er fahre ins Glarnerland. Perfekt – das ist auf halbem Weg zwischen Zürich und Chur. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass ich ihn wärhend der nächsten drei Wochen im Fernsehen sehen kann. Er macht beim Projekt Alpenfestung mit. Nach einer äusserst kurzweiligen Fahrt bringt er mich auf die Raststätte Glarnerland.
Es ist wenig los.. kaum Autos, und die Tankstelle ist verwaist… Nach einer kurzen Verpflegungspause stelle ich mich bei der Einfahrt hin. Zehn Minuten lang passiert nichts. Dann nähert sich ein LKW und hält an. Er fährt ins Tessin und versichert mir, dass er mich in Landquart absetzen werde (“Kein Ding”). Ein netter Fahrer aus Berlin, der jede Woche in die Schweiz fährt, mit Campingartikeln. Seine Klimaanlage ist auf gefühlte minus 10 Grad eingestellt, aber sobald er merkt, dass ich friere, stellt er sie ab. In Landquart fährt er von der Autobahn runter, blockiert einen gesamten Kreisverkehr, damit ich aussteigen kann, und fährt weiter.
Die Gegend um die Autobahnauffahrt Landquart ist schwierig zum Trampen. Es gibt nur eine Schnellstrasse, die ins Tal hinaufführt in Richtung Klosters/Davos, und keine Haltemöglichkeiten ausser eine kleine Strasse, die von der Schnellstrasse wegführt. Dort versuche ich mein Glück. Tatsächlich hält auch schon nach zehn Minuten einer. Er fährt nach Davos und bringt mich netterweise bis Klosters. Nach einem Blick auf die Uhr (beinahe 17 Uhr) beschliesse ich, den Zug zu nehmen. Die Autozüge fahren nur zweimal pro Stunde, und ich weiss nicht mal, wo die Verladerampe ist.
RÜCKWEG: Zernez-Flüelapass-Landquart-Zürich-Biel/Bienne: ca. 300km.
Zuerst muss ich anderthalb Stunden von einer Alp runterlaufen. Endlich in Zernez angekommen, laufe ich durchs Dorf, und nach einigen Kurven halte ich mein “Flüelapass”-Schild raus. Es ist ca. 15 Uhr. Das zweite Auto hält an. Es ist ein Abschleppdienst – er muss auf den Flüelapass (2’383müM) und dort einen Holländer abschleppen. Oben auf dem Pass ist es kalt.. Es liegen noch Schneereste da.. Es gibt ein kleines Gasthaus und einen Parkplatz mit vereinzelten Autos und vielen Motorrädern. Lange stehe ich an der Strasse und strecke den Touristen mein “Landquart”-Schild und meinen Daumen entgegen, aber keiner hält, nicht mal die Einheimischen. Ein Rentnerpaar fotografiert das Gasthaus, den See, den Schnee, die Wiesen, die Felsen. Als sie an mir vorbeilaufen, fragt mich der Mann, wo Landquart liege. Es stellt sich heraus, dass sie nach Davos fahren, und sie sind auch so nett, mich bis dahin mitzunehmen. Ein Ehepaar aus Grimma (zwischen Leipzig und Dresden). Das ist schon das dritte Mal, dass mich jemand aus Grimma mitnimmt!
In Davos stehe ich nur eine Minute an der Hauptstrasse. Dann bringt mich ein Elektromonteur nach Landquart. Nun bin ich wieder in diesem Kreisverkehr an der Autobahnauffahrt. Es ist beinahe unmöglich, dort zu trampen. Die Strasse ist nicht breiter als eine Autobreite, es herrscht viel Verkehr, alle rasen von der Schnellstrasse durch den Kreisel auf die Autobahn. Ausserdem beginnt es gerade zu regnen. Aber wie es so ist mit doofen Stellen – es gibt immer auch Leute, die gerade deshalb, aus Mitleid, anhalten. So auch der Kosovare, der nach Zürich fährt. Wunderbar. Nach wenigen Kilometern geraden wir in einen Stau und bleiben dort auch eine Weile…. Nach einer Ewigkeit nähern wir uns endlich Zürich, und er ist so superlieb, dass er sogar etwa 10km zu weit fährt, um mich auf die Raststätte Würenlos auf der A1 zu bringen.
Dort warte ich ca. 5 Minuten an der Auffahrt. Dann hält ein langhaariger Typ, der mit seinem Sohn unterwegs an den Neuenburgersee ist. Sie sind beide äusserst kommunikativ und laden mich ein, sie am See zu besuchen. Ich könnte sogar jetzt gerade mit ihnen mitfahren, und sie würden mich dann mit ihrem Boot vom Neuenburgersee via Kanal in den Bielersee und bis nach Biel fahren!! Ich bin überzeugt, dass sie das wirklich getan hätten, und hab mir das auch überlegt (wäre doch hammer, ein Boot getrampt zu haben!). Aber erstens würde ich erst gegen Mitternacht ankommen, zweitens regnet es, und drittens und am wichtigsten: Immer mehr machen sie ausländerfeindliche Bemerkungen. Das halte ich nicht lange aus. Nach kurzer und intensiver Diskussion über “Ausländerkriminalität” kommt die Raststätte Deitingen – there we are again.
Die Raststätte Deitingen in Richtung Bern/Biel ist immer so eine Sache… 90% der Autos fahren nach Bern, ich muss aber vorher abbiegen nach Biel. Manchmal hab ich Glück, meistens dauert es etwas länger. So auch heute. Dann aber passiert das abgefahrenste Erlebnis, das ich je hatte in meiner Trampkarriere:
Ich stehe bei der Auffahrt zur Autobahn mit “Biel”-Schild. Einige Meter neben mir liegt die Autobahn, hunderte Autos rasen vorbei. Plötzlich bremst eines davon abrupt ab und hält nach der Raststätte auf dem Pannenstreifen an. Dann fährt es rückwärts auf die Raststätte zu. Zur gleichen Zeit fährt aber ein LKW von der Raststätte auf die Autobahn, so dass das Auto wieder einige Meter nach vorne fahren muss. Die Autobahn ist zu dieser Zeit wirklich sehr befahren, beide Spuren sind voll mit Autos, die alle mind. 120km/h fahren! Schliesslich hat es das Auto geschafft und steht auf der Raststätte und neben mir. Der Fahrer winkt mir, ich solle einsteigen! Er und seine Freundin fahren nach Biel – an eine Strasse, die nur 100m neben meinem Haus liegt!! Um 20 Uhr bin ich zuhause.
Filed under Ausflug, Bern-Biel-Bern, Ländlich, Schweiz | Tags: A1, A3, Bergpass, Bern, Deitingen, Fahrer fährt auf Autobahn rückwärts für mich, Kalt, LKW, netter Fahrer, Ostring, Westumfahrung, Zürich | Comment (0)Wroclaw-Köln (825km), Monday morning
I get up at 5.30 to get a tram after 6 o’clock. I have to go till the final station, from there walk about 10 Minutes to find the last big gas station on the mainstreet going unto the highway. It is cold and snowing like crazy and still dark. I can’t find the streets that seemed to be so easy-to-find on the map.. First mistake: I don’t ask locals..
Finding the highway
I walk and walk in the direction that seems right for me, it can’t be far away, it must be somewhere here. But after everycorner there’s a new street and there are less and less cars, and the people I ask for the way to the highway just tell me to keep going in this direction.. After a 50-minutes-walk through young snow, I see the “Auchan”-supermarket-centre in front of me, but from behind. The highway A4 starts right there! But it’s dark and snowing and i can’t make out the beginning of the A4 cause I’m surrounded from many streets now. As I walked around the whole huge centre I realize that the entrance of the highway had been right where I started walking around.. man! It’s already 8 o’clock as I reach the gas station on the entrance ramp. Muddy wet snow covers the streets and the gas station up to 20cm, there are few cars and they drive very slowly. It’s hard to keep an arm stretched out while having a heavy rucksack on the back… but well, after 15 minutes a car stops, going to Legnica, which is a town between Wroclaw and the border, still on the highway.

Wroclaw-Legnica: 76km / snowfall
The driver sells candy bars like Mars, Snickers etc. to stores, and he puts my backpack right on all the stuff. He’s very nice, doesn’t speak much english, and lets me out in the gasstation at the exit of Legnica, telling me I was crazy and that he wishes me all the best. Thank you, I can need it.. Very small gas station, a lot of cars parked, no people around, no cars driving unto the highway, and still snow, snow, snow. The highway is covered with it, too, and it would be easy for me to hitchhike right on the highway itself, as cars drive very slowly and carefully. But as I think about it some police cars show up and I decide to try it some more minutes legally. After 15min I am really cold and promise to myself that I will buy better shoes next time. Another 15 minutes pass, some people offer me rides, but in the wrong direction.
Legnica-Oberlausitz: 146km / snow, snow, snow
Finally Szimon shows up. He transports meat and is on his way home to Boleslawiec. Perfect, the highway to Zgorzelec/Görlitz ends right before Boleslawiec and the street then goes through the town and some more villages. Szimon has a CB radio and tells me that he will try to find a ride to Germany for me. We have nice talks. The A4 to the border will be opened in fall and most of the restaurants in and around Boleslawiec will have to close by then. I don’t know what is better: A highway far away from houses and bringing Poland closer to the western Europe, or hundreds and hundreds of trucks and cars going through small villages and towns, bringing some money to the restaurants… As we reach a gas station right before Boleslawiec, he says something in his CB-Radio, drops me off in the gas station and tells me to wait for some minutes there. He doesn’t know who is my next driver, but he promises me that there will be someone soon. I get out and there is already a truck, forcing his way through the snow. I open the door and yes, he’s my driver, called over CB-Radio! I climb in, he’s going till 10km before Dresden, which means for me that I will get out on Raststätte Oberlausitz, 50km before Dresden. But until we get there there is still the snow problem. We drive with around 40km/h and it’s already almost noon! I am tired and my feet are like ice… Driver doesn’t speak any german/english, so it’s a radio-ride, including some short naps..
Oberlausitz-Köln: 625km / even more snow
Arriving in Oberlausitz I quickly go to toilet to reanimate my feet! Then I prepare myself mentally for going out into the almost-snowstorm. There are not many cars, and no people outside. It’s already after noon and I heard the rumour that the highway will be closed because of too much snow. Well, I go outside and take some pictures of the cars covered with snow, as I see a man sitting in a car, eating a sandwich. The numberplate I can’t read cause its covered with snow. I approach him and he openes the window a little bit. I ask if he could give me a lift towards western germany. He replies that normally he doesn’t take strangers. I smile, step back a meter, lift my arms and say that I don’t want to force him, knowing, that for sure he will take me. He askes if I carry any weapon. I think of my selfmade “pepperspray” and of the swiss army knife, but I say “no” and he gets out of the car for helping me with the backpack.
We start going towards Dresden. Already after some km, where the street goes up a hill, we see 3 trucks standing over the whole highway. Obviously they had started to slide on the snow and can’t get up the hill, can’t be moved neither. We stand in the snow, waiting for police to come. Finally some big trucks show up that pull the other trucks up the hill. We pass, but we can’t drive faster than 60km/h. I planned to get out before Frankfurt and to go down the A5 to Switzerland. But more and more I realize that we won’t make it to Frankfurt until 6 or 7pm. Franek, my driver, is going to Köln. I write to my friend from there if she could host me for a night. She gives me a Yes and I tell Franek that I will stay until Köln. We spend almost 7 or even 8 hours together, listening to bad radio music and discussing many interesting topics. At 8.30pm the droppes me in front of the house of my friend.

Wroclaw-Köln can normally be done in about 8 hours. Including my morning walk it took me 13,5 hours…
Filed under Deutschland, Polen, Winter | Tags: 1000km+, Kalt, LKW, Schnee, Verlaufen | Comments (2)Biel-Leipzig, 7.7.08
Mein erstes Mal Trampen zu zweit, abgesehen vom Jura-Trip. Ein langer Tag mit doofen Überraschungen.
Um 08.15 in Biel an der Hauptstrasse, nach 15 Minuten ein Lift bis zur ersten Raststätte (ca. 5km). Dort nach 3min ein Lift. Der Typ fährt bei der nächsten Autobahnverzweigung in die falsche Richtung, deshalb sagen wir ihm, dass wir schon bei der nächsten Raststätte wieder rauswollen. 300m vor der Raste geht er plötzlich voll auf die Überholspur, wir intervenieren (zu spät; erster Fehler von uns), er tut überrascht: “Ach ihr wollt hier?? Aber weiter vorne ist eine viel bessere Stelle!” und dann ist es schon zu spät um noch abzufahren. Die “viel bessere Stelle” nennt sich Egerkingen und ist wohl noch schlechter zu trampen als allein am Südpol.
Wir stehen fast 50 Minuten und bekommen nur Angebote von LKW’s, dass sie 1 Person mitnehmen können. Schliesslich teilen wir uns auf (2. Fehler); Erne fährt zuerst bei einem Türken mit. Ich werde 5min später von einem Deutschen mitgenommen. Kaum bin ich eingestiegen, klingelt mein Handy. Der Türke ist auf einen Parkplatz gefahren und redet was von Sex! Doch wir sind noch am telefonieren, da fährt er schon wieder los. Bis Basel telefonieren wir alle paar Minuten, er hat Ruhe gegeben und lässt sie in Pratteln raus! Dort treffen wir auf einen 50-jährigen Ami-Freak mit “Belgien”-Schild. Alle drei werden wir von einer netten deutschen Designerin mitgenommen bis Nähe Karlsruhe. Der Freak fährt noch weiter hoch, wir wollen rüber auf die A6 Richtung Nürnberg.
Der dritte Fehler des Tages: wir steigen bei einem netten Ur-Opa (ohne Scheiss!) in den Truck. Das ginge ja noch, aber wir fahren auch noch ein riesiges Stück mit ihm mit, bei Tempo 90, und erst noch über eine Strecke die ich kaum kenne. Der Opa ist aber sehr nett, lädt uns zu Kaffee und Eis ein, so dass wir bei ihm bleiben bis sich die Wege sowieso trennen würden. Doch nun ist es bereits früher Abend.
Vor der Verzweigung A7/A4 bei Bad Hersfeld wollen wir auf die A4 in Richtung Erfurt, aber keiner fährt dahin!! Nach wieder ca. 45 Minuten werden wir von einem Geschäftsmann mit topmodernem Auto mitgenommen (Kofferraum geht automatisch auf und wir zerstören fast die Tür als wir ihn öffnen wollen). Hoch auf die A7 statt auf die A4. Im grössten Feierabendverkehr fahren wir in einen Gewitterregen rein, der seinesgleichen sucht. Da kriegt unser Fahrer einen Anruf von seinem Geschäftspartner und weil es um einen wichtigen Vertrag geht nimmt der das Handy ans Ohr anstatt mit der Freisprechanlage zu telefonieren. Er hängt auf, schlägt mit beiden Händen aufs Steuerrad ein (bei Tempo 150 auf der Überholspur im Regen im Feierabendverkehr) und jubelt “JAA! 60’000 EURO!!!!”. Dann schleudert das Auto und er: “Woow! Habt ihr DAS gespürt? Aquaplaning!!”.
Bei Kassel fahren wir bei einer jungen Intensivkrankenschwester mit (deren berufliche Fähigkeiten wir zum Glück nach der Aquaplaningfahrt nicht brauchen), die zwar viel zu weit hoch fährt, nach Magdeburg, aber he nu. Noch nie in meinem Leben habe ich ein Mensch mit so viel Energie kennengelernt. Lag vielleicht auch an den 5 Redbull, die sie getrunken hat (!). Kurz vor Magdeburg fahren wir auf die Raststätte, es ist 10 Uhr abends und ich am krank werden mit Halsweh und geschwollenen Lymphdrüsen… Wir beschliessen, in Magdeburg den Zug nach Leipzig zu nehmen. Kurz nach Mitternacht kommen wir in Leipzig an.
Filed under Deutschland, Schweiz | Tags: A4, A5, Fehler, LKW, Nie mehr Egerkingen, Raser | Comment (1)