Biel-Bern-Emmental, 28.2./1.3.2010

March 8th, 2010

Sonntag um 17.30 Uhr: Nach einem Tag, an dem sich alle 5 Minuten Sturm, Sonnenschein&blauer Himmel, Regen und irgendein Mix von alledem die Klinke in die Hand gegeben hatten, stehe ich am Strassenrand mit bereits ziemlich “gut benutztem” BERN-Schild. Hinter mir spannt sich ein riesen Regenbogen über den Himmel. Die untergehende Sonne lacht lustigförmige weisse Wolken an. Alles ist gut. 17.55 Uhr: Noch immer stehe ich an derselben Stelle!!! Mann!! Dann halten zwei junge Floristinnen an und fahren mich nach Schönbühl. Sie sind mir auf Anhieb sympatisch; die eine zeigt auf ihre deutlich von der Arbeit gezeichnete Jeans und sagt, sie habe sie erst vergangenen Mittwoch gekauft.
In Schönbühl: Dunkle, riesige Wolkenmassen vermengen sich über mir zu einem unheimlichen Gebilde. Ein kalter Wind bläst mir Regen ins Gesicht. Zum Glück fährt mich “schon” nach 10 Minuten ein netter Autohändler ins Wankdorf.

Wie anders am Montag, 13 Uhr: Ich stehe an derselben Stelle. Sonniges, freundliches Frühlingswetter. Blumen überall. Autos fahren vorbei, eins ums andere. Plötzlich höre ich hinter mir von der Tankstelle her eine Frau “Schönbühl, Schönbühl” rufen. Nach einigen Sekunden in denen ich mich frage, ob sie irre geworden ist, realisiere ich endlich, dass sie dies mir zuruft! Ich sprinte zu ihr und wir fahren los. Ich liebe Schönbühl. Nur einmal habe ich dort länger als 5 Minuten gewartet. Gestern: 10. Sie stammt aus Dresden (leider nicht Grimma) und fragt, ob ich aus Köln sei. Nettes Kompliment! In Schönbühl springe ich an einer roten Ampel aus und schnell über die Strasse. Schon nach etwa 2, 3 Minuten hält ein Auto mit einem unendlich langen Anhänger an. Lang wie ein Sattelschlepper. Er transportiert lange (logisch) Metallstangen. Im Neufeld fährt er extra für mich von der Autobahn und will extra für mich noch ins Quartier reinfahren. Leider hört er nicht auf meine Richtungsangaben (die sich decken mit den Angaben auf den Wegweisern), sondern fährt bestimmt den Hügel runter in Richtung Aarberg. Nun probier mal, mit so einem Ungetüm von Anhänger auf einer einfachen Landstrasse eine Gelegenheit zum Wenden zu finden! Zum Glück ergibt sich bald eine Gelegenheit über einen kleinen Feldweg (eine “Ansammlung von Schlaglöchern” wäre treffender).

Zwei Stunden später stehe ich schon wieder an der Auffahrt Neufeld, die leider seit dem Tunnelbau ziemlich verwaist ist. Nichtsdestotrotz hält nach etwa 20 Minuten ein Auto mit AG-Kennzeichen. Ein Typ mit Millimeterschnitt, der eigentlich in die Nähe von Zürich fährt, will extra für mich in Kirchberg rausfahren. Und von dort fährt er mich sogar im beginnenden Feierabendverkehr nach Burgdorf hinein. Ein Umweg von sicher 15, 20 Minuten für ihn! Und nun ratet mal, was er von Beruf ist. Berufssoldat!!!!! Ai!! Ich musste ja schön auf den Mund hocken während der ganzen Fahrt. Früher hatte ich sogar jeweils GSoA (Gruppe Schweiz ohne Armee)-Kleber auf meinen Taschen gehabt… Wieder mal schön zu merken, dass sogar meine Vorurteile nicht immer zutreffen… hahaha… Ich laufe zum andern Ende der Stadt und will eigentlich in der Beiz, in der vor einiger Zeit Smith Wigglesworth mal war, einen Kaffee trinken gehen, doch die ist geschlossen. Also wieder Autostop. Nach einigen Minuten rät mir eine Passantin, den Bus zu nehmen. Ich bedanke mich freundlich für ihren Tipp. Kaum ist sie weg, hält auch schon ein Auto für mich. Ja, wir befinden uns nun im Emmental: Sie ist eine Freundin der Mitbewohnerin meiner Schwester, und so fährt sie mich natürlich direkt vor die Haustür!

Short hitchhiking trip in California

February 8th, 2010

“Hitchhiking in California????? Forget it!! Don’t even think about it!! Yes, there used to be a lot of hitchhikers.. but nowadays there are so many weirdos!” – I can’t remember how many people – Californians and others – gave me answers like this.. But as I was there without a car and as it is difficult or sometimes not even possible to use public transportation, hitchhiking seemed to be an option for me. Why should there be so many more “weirdos” on the streets of California than we have here in Europe?

But as it really seems to be a strange thing to do, my cousin decided to drive 5 hours up north just to pick us up before we could even stick a thumb out towards any street…

Anyway, one sunny monday we woke up and decided to go to Whiskeytown lake, that is located quite close to the city, it’s about a 15min ride. We walked over to the street that is leading out of town and to Whiskeytown lake, and stretched our thumbs out next to a gas station. Soon, a woman, probably working at the gas station, walked over to us and told us it was not a good idea to stand here. If we walked out of town we would have way better chances, she said. Well yes, she was right, but walking out of town would take us about one hour! So this lady asked every single car driver that was at the gas station. And she waved us over and told us to sit in this car; they would bring us to the end of the city. Great! We jumped on the back seat and a small dog jumped on us, trying to lick our faces like crazy. We couldn’t really get rid of it. But we found out that our driver didn’t have to go in this direction at all!! He only did it for us! How sweet! Now, at the city border, cars drove fast fast fast… But already after some seconds one car pulled over. Again, as we had climbed in, there was a small crazy dog trying to lick our faces. The driver didn’t really have to go to the lake, but of course he drove us up there, and he even went further to bring us to a nice empty beach!!

After being at the beach in our tanktops on the 4th of January (hehe) we decided to try to hitchhike back. There weren’t many cars.. actually I thought there was maybe one car every 15minutes or so.. As soon as we decided that we want to go back, two women showed up at the beach. We started chatting a little bit, some smalltalk, and guess what: They were just about to go back to Redding, and of course they would take us with them!

Easy as it can be!

Maybe next time I’ll have the chance to try to get to San Fran by hitchhiking!

Biel/Bienne – Les Rasses VD, 90km, 1000 Höhenmeter

September 26th, 2009

Wieder einmal hitchhiking at its best. Gestern war ich eingeladen, an einem Fest einer Kollegin zu rappen. Seit Tagen hatte ich verzweifelt meinen Schweizer Strassenatlas gesucht und ihn nicht gefunden. Also den Routenplaner von g.maps befragt und mit einer alten Schweizerkarte von 1969 oder so losgetrampt. g-maps wies mich an, die Autobahn in Richtung Neuchâtel-Yverdon in einem kleinen Kaff zu verlassen und dort eine Strasse zu nehmen, welche quer durch den Jura direkt in das Dorf führt, in das ich will. Also los.

Hinweg:
Mit dem Bus bis ausserhalb Biels. Das letzte Mal, als ich dort losgetrampt bin, fuhr ich nach Marokko. Heute ist alles etwas entspannter, allerdings habe ich nicht wirklich eine Ahnung, wo durch es geht. Nach wenigen Sekunden hält ein Auto, das mich ein paar Dörfer weit mitnimmt, dem Bielersee entlang. In Le Landeron lässt er mich an der Autobahnauffahrt raus. Es gibt keine Haltemöglichkeit ausser auf dem Pannenstreifen, kurz bevor die Autobahn beginnt, und ausserdem auch kaum Autos. Aber das dritte hält an – ein junger Mann im Alter meines kleinen Bruders, der gerade von der Armee kommt und nach Lausanne rast. Er fährt zur Hochzeit seiner Cousine und ist viel zu spät dran. Netterweise fährt er nicht nur bei der Ausfahrt St.Aubin raus, sondern mich auch noch nach St.Aubin rein, was schon einige Kilometer ausmacht.

In St.Aubin frage ich die lokale Bevölkerung nach dem Weg nach Les Rasses. Alle machen grosse Augen und können mir nicht weiterhelfen. Schliesslich finde ich einen Mann, der mich darüber aufklärt, dass da zwar eine Strasse hinführt, aber dass diese kaum bis gar nicht benutzt wird und dass alle über Yverdon-les-bains fahren – also weiter auf der Autobahn geblieben wären. Bon.. ich stelle mich an die einzige nennenswerte Kreuzung des Dorfes an die Hauptstrasse, die zur Autobahn führt. Minutenlang warte ich, ohne dass ein einziges Auto durchfährt – notabene um 17 Uhr an einem Freitagabend! Ein kleiner Junge kommt auf seinem BMX dahergefahren: “Bonjour Madame!”. Er erzählt mir, dass er Unihockey spielt und dass sie die besten der Region seien. Als ich soweit bin, dass ich ihn adoptieren möchte, höre ich ein Auto! Der Junge verabschiedet sich, und das Auto hält neben mir an. Er fährt nach Yverdon – perfekt! Er kennt sogar den Weg, den ich nehmen muss, und fährt an der richtigen Ausfahrt raus, wo er mich an einem Kreisel rauslässt. Dort ist bereits ein Wegweiser nach Ste.Croix, welches meine nächste Station ist. Ich male ein neues Schild. Wieder stehe ich an einer Stelle, wo es keine Haltemöglichkeit gibt.. aber mir bleibt nichts anderes übrig. Zum Glück hält schon nach wenigen Sekunden einer an. Er fährt ins letzte Dorf der Talebene, danach geht es nur noch steil rauf nach Ste.Croix. Kaum bin ich ausgestiegen, sitze ich bereits wieder im nächsten Auto. Der nette Herr muss nach Ste.Croix, ist aber so nett, mich bis Les Rasses zu fahren. Zwei Stunden, kaum Wartezeiten, perfekt!

Rückweg:

Samstagvormittag. Jemand hat mich von Les Rasses in das 6000-Seelendorf Ste.Croix gefahren, es ist 09 Uhr morgens und es herrscht dichter Nebel. Ich stehe an der Hauptstrasse, die ins Tal hinunterführt. Nach zwei Minuten werde ich von einer Frau mitgenommen bis zur Autobahnauffahrt bei Yverdon-les-Bains. Sie erzählt mir, dass diesen Frühling in der Region folgendes passiert sei: Eine Frau habe getrampt, und als ein Auto angehalten hat, sei ein Mann aus dem Gebüsch gekommen und die zwei hätten den Fahrer unter Gewaltandrohung gezwungen, zum Bankomaten zu fahren und sein Geld abzuheben.. Mann.. warum mich die Frau trotzdem mitgenommen hat? “Weil man sonst ja genausogut aufhören könnte, zu leben”.

Dann stehe ich an der Auffahrt, schon hinter dem Autobahnschild, weil es vorher keine Möglichkeit gibt. Schon das zweite Auto hält an! Er fährt nach Neuchâtel. Hier wird es ein wenig schwierig. Schon einmal fuhr ich auf der Strecke mit jemandem mit, die in die Stadt hineinfuhr. Da, wo wir die Autobahn verlassen, ist es praktisch unmöglich zu trampen, weil es eine Schnellstrasse mit lauter Mauern ist, wo alle Autos rasen und wo es keine Haltemöglichkeit gibt. Also in die Stadt. Mein Fahrer ist so nett und will mich ans andere Ende der Stadt fahren, wo es wieder eine Auffahrt zur Autobahn gibt. Leichter gesagt als getan.. überall sind Strassen gesperrt wegen dem Winzerfest.

Dann lässt er mich kurz vor der Autobahn raus – an einem total blöden Ort: Es ist ein Kreisverkehr mit zwei Spuren, wovon eine Strasse mit zwei Spuren abgeht: Die rechte zur Autobahn in Richtung Lausanne, die linke und innere in Richtung Biel. Ich könnte höchstens auf der linken Strassenseite stehen. Aber jeder, der anhält, riskiert, vom nächsten überfahren zu werden, weil es nur ein paar hundert Meter vor der Autobahn ist und alle schon beschleunigen. Also laufe ich zurück, aber auch hier ist die Strasse schon zweispurig, und nur die linke Spur führt nach Biel… zum Glück ist es Samstagvormittag und dementsprechend herrscht wenig Verkehr. Ich versuche es vom Trottoir aus mit Schild. Viele FahrerInnen fahren kopfschüttelnd auf der linken Spur vorbei…

Dann kommt das Tramp-Erlebnis des Jahres dahergefahren: Ein Partymobil. Es ist ein oranger kleiner Bus, aus dem lauter Techno dröhnt. Innen sitzen sieben (7) Jungs im Alter von ca. 20-24 Jahren. Es ist morgens um 10 Uhr, Zeit für ein erstes Bierchen und den ersten Joint… Als sie neben mir anhalten, johlen alle und klopfen an die Decke. Ich muss so fest lachen ob diesem Anblick, dass mir alle guten Vorsätze von wegen “nicht einsteigen bei mehreren Männern” vergessen gehen. Das hier sind Jugendliche im Partymobil und ich habe ein gutes Bauchgefühl. So steige ich unter Gejohle ein und kriege Bierchen, Suze und Joint angeboten. Die Jungs sind aus Genf und fahren nach Zürich. Testosteron pur. Sie haben zu siebt in diesem VW-Bus geschlafen letzte Nacht und sehen auch dementsprechend aus. Aber sie sind sehr nett, und in Biel fahren sie mich sogar durch die ganze Stadt bis zu einer grossen Kreuzung kurz vor meinem Zuhause. Als ich aussteige, singen sie alle zusammen “Joyeux Anniversaire!” für mich, so dass sich alle PassantInnen der Umgebung verwundert umdrehen. Wieder mal ein einmaliges Erlebnis, das einem nur beim Trampen passieren kann.

Ausflug ins Graubünden

July 26th, 2009

HINWEG: Biel/Bienne-Bern-Zürich-Landquart-Zernez, 333km.

Gemäss Routenplaner brauche ich für die Strecke 4h20min reine Fahrzeit. Ich starte in Biel um 10 Uhr Vormittags. Mit zwei Lifts komme ich nach Bern. (Normalerweise ist Biel-Bern super easy und mit einem Auto schnell zu schaffen). Dort besuche ich noch jemanden, und um 12.30 Uhr stehe ich endlich an der Auffahrt Bern-Ostring.

Zehn Minuten Wartezeit, dann hält Beat an, ein tätowierter Motorradfahrer, der eigentlich in Kalifornien und Hawaii lebt, aber sich zur Zeit um seine Eltern in der Schweiz kümmert. Super Typ. Er fährt nach Basel, also steige ich auf meiner Stamm-Raststätte Deitingen aus. Dort stehe ich mit “Zürich”-Schild, obwohl ich kurz vor Zürich über die neu eröffnete Westumfahrung in Richtung Chur muss. Nach wenigen Minuten hält ein junger Mann. “Wohin fahren Sie?” – “Zürich” – OK, ich steige ein und während wir losfahren sage ich, dass ich zwei Tankstellen weiter schon wieder aussteigen werde, ich müsse nämlich auf die Westumfahrung. Er auch!, sagt er, denn er fahre ins Glarnerland. Perfekt – das ist auf halbem Weg zwischen Zürich und Chur. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass ich ihn wärhend der nächsten drei Wochen im Fernsehen sehen kann. Er macht beim Projekt Alpenfestung mit. Nach einer äusserst kurzweiligen Fahrt bringt er mich auf die Raststätte Glarnerland.

Es ist wenig los.. kaum Autos, und die Tankstelle ist verwaist… Nach einer kurzen Verpflegungspause stelle ich mich bei der Einfahrt hin. Zehn Minuten lang passiert nichts. Dann nähert sich ein LKW und hält an. Er fährt ins Tessin und versichert mir, dass er mich in Landquart absetzen werde (“Kein Ding”). Ein netter Fahrer aus Berlin, der jede Woche in die Schweiz fährt, mit Campingartikeln. Seine Klimaanlage ist auf gefühlte minus 10 Grad eingestellt, aber sobald er merkt, dass ich friere, stellt er sie ab. In Landquart fährt er von der Autobahn runter, blockiert einen gesamten Kreisverkehr, damit ich aussteigen kann, und fährt weiter.

Die Gegend um die Autobahnauffahrt Landquart ist schwierig zum Trampen. Es gibt nur eine Schnellstrasse, die ins Tal hinaufführt in Richtung Klosters/Davos, und keine Haltemöglichkeiten ausser eine kleine Strasse, die von der Schnellstrasse wegführt. Dort versuche ich mein Glück. Tatsächlich hält auch schon nach zehn Minuten einer. Er fährt nach Davos und bringt mich netterweise bis Klosters. Nach einem Blick auf die Uhr (beinahe 17 Uhr) beschliesse ich, den Zug zu nehmen. Die Autozüge fahren nur zweimal pro Stunde, und ich weiss nicht mal, wo die Verladerampe ist.

RÜCKWEG: Zernez-Flüelapass-Landquart-Zürich-Biel/Bienne: ca. 300km.

Zuerst muss ich anderthalb Stunden von einer Alp runterlaufen. Endlich in Zernez angekommen, laufe ich durchs Dorf, und nach einigen Kurven halte ich mein “Flüelapass”-Schild raus. Es ist ca. 15 Uhr. Das zweite Auto hält an. Es ist ein Abschleppdienst – er muss auf den Flüelapass (2’383müM) und dort einen Holländer abschleppen. Oben auf dem Pass ist es kalt.. Es liegen noch Schneereste da.. Es gibt ein kleines Gasthaus und einen Parkplatz mit vereinzelten Autos und vielen Motorrädern. Lange stehe ich an der Strasse und strecke den Touristen mein “Landquart”-Schild und meinen Daumen entgegen, aber keiner hält, nicht mal die Einheimischen. Ein Rentnerpaar fotografiert das Gasthaus, den See, den Schnee, die Wiesen, die Felsen. Als sie an mir vorbeilaufen, fragt mich der Mann, wo Landquart liege. Es stellt sich heraus, dass sie nach Davos fahren, und sie sind auch so nett, mich bis dahin mitzunehmen. Ein Ehepaar aus Grimma (zwischen Leipzig und Dresden). Das ist schon das dritte Mal, dass mich jemand aus Grimma mitnimmt!

In Davos stehe ich nur eine Minute an der Hauptstrasse. Dann bringt mich ein Elektromonteur nach Landquart. Nun bin ich wieder in diesem Kreisverkehr an der Autobahnauffahrt. Es ist beinahe unmöglich, dort zu trampen. Die Strasse ist nicht breiter als eine Autobreite, es herrscht viel Verkehr, alle rasen von der Schnellstrasse durch den Kreisel auf die Autobahn. Ausserdem beginnt es gerade zu regnen. Aber wie es so ist mit doofen Stellen – es gibt immer auch Leute, die gerade deshalb, aus Mitleid, anhalten. So auch der Kosovare, der nach Zürich fährt. Wunderbar. Nach wenigen Kilometern geraden wir in einen Stau und bleiben dort auch eine Weile…. Nach einer Ewigkeit nähern wir uns endlich Zürich, und er ist so superlieb, dass er sogar etwa 10km zu weit fährt, um mich auf die Raststätte Würenlos auf der A1 zu bringen.

Dort warte ich ca. 5 Minuten an der Auffahrt. Dann hält ein langhaariger Typ, der mit seinem Sohn unterwegs an den Neuenburgersee ist. Sie sind beide äusserst kommunikativ und laden mich ein, sie am See zu besuchen. Ich könnte sogar jetzt gerade mit ihnen mitfahren, und sie würden mich dann mit ihrem Boot vom Neuenburgersee via Kanal in den Bielersee und bis nach Biel fahren!! Ich bin überzeugt, dass sie das wirklich getan hätten, und hab mir das auch überlegt (wäre doch hammer, ein Boot getrampt zu haben!). Aber erstens würde ich erst gegen Mitternacht ankommen, zweitens regnet es, und drittens und am wichtigsten: Immer mehr machen sie ausländerfeindliche Bemerkungen. Das halte ich nicht lange aus. Nach kurzer und intensiver Diskussion über “Ausländerkriminalität” kommt die Raststätte Deitingen – there we are again.

Die Raststätte Deitingen in Richtung Bern/Biel ist immer so eine Sache… 90% der Autos fahren nach Bern, ich muss aber vorher abbiegen nach Biel. Manchmal hab ich Glück, meistens dauert es etwas länger. So auch heute. Dann aber passiert das abgefahrenste Erlebnis, das ich je hatte in meiner Trampkarriere:

Ich stehe bei der Auffahrt zur Autobahn mit “Biel”-Schild. Einige Meter neben mir liegt die Autobahn, hunderte Autos rasen vorbei. Plötzlich bremst eines davon abrupt ab und hält nach der Raststätte auf dem Pannenstreifen an. Dann fährt es rückwärts auf die Raststätte zu. Zur gleichen Zeit fährt aber ein LKW von der Raststätte auf die Autobahn, so dass das Auto wieder einige Meter nach vorne fahren muss. Die Autobahn ist zu dieser Zeit wirklich sehr befahren, beide Spuren sind voll mit Autos, die alle mind. 120km/h fahren! Schliesslich hat es das Auto geschafft und steht auf der Raststätte und neben mir. Der Fahrer winkt mir, ich solle einsteigen! Er und seine Freundin fahren nach Biel – an eine Strasse, die nur 100m neben meinem Haus liegt!! Um 20 Uhr bin ich zuhause.

Kleine Anekdote

March 30th, 2009

An einem Montagabend vor einigen Wochen, 17 Uhr,  stehe ich an der Bushaltestelle an einer Strasse, die aus Biel raus und auf die Autobahn nach Bern führt. Feierabendverkehr, und nach wenigen Minuten blinkt auch schon ein Minibus einer Isolationsfirma, “Thermo-irgendwas”. Am Steuer ein müde aussehender Mann, er fährt nach Lyss. Obwohl das nur ein paar Kilometer sind, beschliesse ich, mitzufahren. Als wir fahren, fragt er, wo ich hinwill. Ich will ins Emmental, das heisst ich muss noch vor Bern auf eine andere Autobahn wechseln. Er sagt, wenn er Zeit hätte, würde er mich hinfahren, aber er habe noch einen Termin um 18 Uhr. Ich bedanke mich für den guten Willen. Als wir uns der Ausfahrt Lyss nähern, murmelt er etwas von “das reicht schon noch” und fährt vorbei. Wenn sich beim Autobahnwechsel abzeichnen sollte, dass es Stau gibt, dann würde er mich in Schönbühl absetzen, meint er. Ich bin noch so einverstanden, Schönbühl ist super! Dort angekommen, es ist inzwischen 17.30 Uhr, sieht man nicht bis zur Autobahn A1, also wechselt er rüber und tatsächlich: Stau! Er flucht leise, ich fühle mich halb schuldig, bin aber natürlich trotzdem froh, direkt mit einem Fahrer bis zur Ausfahrt Burgdorf fahren zu können. Um 17.45 sind wir dort, es wird ihm niemals pünktlich zurückreichen… ich bedanke mich tausendmal. Dann stehe ich fast eine Viertelstunde auf quasi freiem Feld, bis ich endlich mitgenommen werde. Burgdorf – Hasle-Rüegsau, und dort werde ich auch schon abgeholt.

Eine Woche später, wieder Montagabend kurz nach 17 Uhr, wieder dieselbe Stelle. Ich muss nach Bern, diesmal. Man ahnt schon, wie es kommt… plötzlich biegt ein weisser Minibus auf die Haltestelle… Mein Fahrer! Wieder müsste er nach Lyss, doch diesmal hat er keinen Termin mehr, und ja, er fährt mich bis nach Bern in die Stadt rein!

Ernüchterung jetzt und Glück das nächste Mal

December 20th, 2008

Entscheidungen treffen

Biel-Bern: Meistens keine grosse Sache, wie trampen überhaupt für mich.. -> Solche Erfahrungen und so eine Haltung führt zu Übermut, und Übermut muss wohl ab und zu in die Grube fallen… So stand ich heute bei 2° und leichtem Regen beinahe eine halbe Stunde an der BP-tankstelle in Biel-Nidau. Kurz bevor ich den Zug nehmen wollte, hielt ein Auto an, das nach Lyss fuhr. Mein Tramperstolz liess mich einsteigen, und als der Fahrer mir anbot, mich in Lyss an den Bahnhof zu fahren, war es auch mein Tramperstolz der mich sagen liess “ach nein, ich probiers hier an der Auffahrt!”.

nach Bern wollen

Und wenn ich nicht nach einer halben Stunde aufgegeben hätte, würde ich wahrscheinlich noch jetzt an dieser äusserst schlechten Stelle stehen… Schlussendlich lief ich durch den Wald auf die andere Seite, wollte wenigstens wieder gratis nach Biel zurückfahren. Aber auch das sollte anscheinend nicht sein. So wanderte ich weiter nach Lyss, zum Bahnhof, wo immerhin gerade ein Zug fuhr.

nach Biel wollen

Lieber kein Glück bei Biel-Bern als bei Biel-Wroclaw nächste Woche!! ….

Und: Immerhin konnte ich endlich mal zwei, drei Fotos machen.. meistens fehlt mir ja die Zeit dazu weil ich sofort mitgenommen werde……….

sich bei Auffahrten rumtreiben

Wenn sich die Fahrerinnen und Fahrer um mich reissen…

November 25th, 2008

Biel-Wichtrach, Montagnachmittag

Um 16 Uhr laufe ich der Bernstrasse entlang auf die letzte Tankstelle vor der Autobahneinfahrt zu. Einen Meter nachdem die Hecke, die einem dort von der Strasse trennt, fertig ist, halte ich aufs Geratewohl meinen Daumen raus. Etwa acht Autos fahren vorbei, halten aber schon 50m weiter vorne an einer roten Ampel an. Plötzlich Pfiffe. Ein Kleinbus voller Jungs hat die Türen geöffnet, zwei der Jungs sind ausgestiegen und winken mir, ich solle einsteigen. Ich renne auf den Bus zu, obwohl die Vorstellung, mit einem halben Dutzend Halbwüchsiger, die alle belustigt am Fenster kleben als wären sie im Zoo und ich das Exotentier, mit so einem halben Dutzend also nach Bern zu fahren, nicht besonders Spass macht. Da läuft weiter vorne die Fahrerin des zweitvordersten Autos mir entgegen und ruft: “Ich fahre aber nur bis Schönbühl”. Diese Frau, die ja alleine im Auto sass, ist tatsächlich an der roten Ampel ausgestiegen, um die Autos rumgelaufen und mir entgegen, um mich aufzuladen! Schnell springe ich rein und die Ampel ist schon auf grün. Ich bin überwältigt. Bis Schönbühl haben wir sehr sehr interessante und tiefschürfende Gespräche. Sie wäre bei der Geburt ihrer Zwillinge beinahe (mitsamt ihren Zwillingen) gestorben und erzählt mir, wie zu dieser Zeit auf der Intensivstation Gott zu ihr gesprochen habe. Die Frau ist so toll, dass sie auch mir Fragen stellt und mich erzählen lässt. Oftmals wollen viele Fahrerinnen und Fahrer nur reden, wenn sie schon mal jemanden zum zuhören haben.. Was ja auch gut sein kann.

In Schönbühl steige ich – wieder an einer roten Ampel – aus und stelle mich auf der anderen Strassenseite mit “Thun”-Schild hin. Ich versuche es mal so. Sollte es nicht klappen (wer fährt schon von Schönbühl nach Thun….) kann ich immer noch nach Bern fahren und von Bern wieder raus. Es ist bereits am eindunkeln aber hat auch schon viel Feierabendverkehr. Schon nach 5 Minuten hält ein kleines Auto an. Ein junger Mann – und er fährt nach Thun! Ich springe rein und bin schon wieder bei jemandem ganz interessantem gelandet! Er arbeitet 60% als Lehrer und macht daneben noch diverse andere Kleinjobs, unter anderem Velofahren mit Touristen auf einem 17m langen Gruppenfahrrad. Er ist total positiv und als ich ihm irgendwas erzähle, wirft er begeistert seine Arme in die Luft und schüttelt mir die Hand um mir zu irgendwas zu gratulieren. Und obwohl er schon zu spät dran ist, fährt er extra für mich an meiner Ausfahrt (Kiesen) runter und weiter bis zu einer Stelle wo ich gut stehen kann, wo die Schnellstrasse aufhört.

Inzwischen ist es schon fast dunkel. Ich stehe irgendwo auf freiem Feld vor irgendeiner kleinen Ortschaft. Mein Ort, Wichtrach, muss eines der nächsten Dörfer sein. Viele, viele, viele Autos fahren vorbei. Bis eines mit HH-Schild anhält: ein Hamburger und seine Freundin! Sie nehmen mich mit, aber müssen schon nach 500m rechts abbiegen für ins Emmental rein.. 98% der Autos tun dasselbe, und mir wird auch klar warum mich vorher niemand aufgegabelt hat. Kaum bin ich ausgestiegen hält auch schon wieder ein Auto und fährt mich bis vor die Tür von da, wo ich hinwill. Es brauchte mich ziemlich genau eine Stunde. Gemäss Routenplaner bräuchte man für die Strecke gut 45 Minuten. Hurra!

Langenthal-Bern, Freitagabend

October 25th, 2008

Mitten im Feierabendverkehr laufe ich aus der Stadt in Richtung Autobahnzubringer. Mit A1-Schild stelle ich mich dann an eine lange, gerade Hauptstrasse mit Radstreifen. Nach ungefähr 5 Minuten hält ein Opa an. Ich weiss nicht wer klappriger ist; der Opa oder das Auto. Die ersten zwei Kilometer sprechen wir eigentlich nichts, dann über das Wetter, und dann plötzlich wird es ungemütlich. Der 72-jährige Mann macht mir Komplimente und erzählt mir, wie fit er noch sei – in jedem Bereich. Seine Frau wolle eben kein Sex mehr, er aber möchte schon. Und mit mir wäre er auch gern mal zusammen. Da ich weiss, dass in weniger als einem halben Kilometer die Autobahnauffahrt kommt, wo ich aussteige, sage ich irgendwas von Liebe und Altersunterschied. Weil der alte Mann aber vielleicht noch andernorts fit ist, aber nicht mehr gut hört, muss ich jeden Satz zweimal sagen, was die Reststrecke zum Glück noch schneller vergehen lässt. Dann hält er an, ich verabschiede mich und steige aus, wo er es nicht lassen kann mich noch am Oberschenkel anzufassen. Da ich aber schon fast ausgestiegen bin und nur noch weg will zücke ich meinen Alkoholspray nicht. Aber hätte er das mal während der Fahrt gemacht, wärs ungemütlich geworden für ihn!

Dann bin ich frustriert, angewidert und traurig. Bin ich jetzt als Tramperin selbst schuld, weil ich ja schliesslich zu fremden Männern einsteige?? Aber nein – wenn man so denkt ist immer das Opfer schuld. Es ist eigentlich ja gar nichts passiert! Aber rein die Tatsache dass es Männer gibt, die einem das Gefühl vermitteln sie dürfen über einem verfügen nur weil sie einem mitnehmen, macht mich stinksauer. Überhaupt, eigentlich gehen Fahrer und Tramperin einen mündlichen Vertrag, eine Vereinbarung ein: “Können Sie mich bis dahin mitnehmen?” – “Ja, steig ein”. Wenn es dann zu Forderungen oder gar zu Berührungen kommt, ist das “Vertragsbruch”. Aber ja. Gut, ist nicht jedes Tramp-Erlebnis supergut, so bleibe ich vorsichtig und kann üben, meine Privatsphäre und mich zu schützen. Bis jetzt wurde ich einmal gefragt, ob ich als Dank für die Fahrt einen Kuss geben würde (hallo??? natürlich nicht! und aussteigen), und einmal hat ein Fahrer gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte, mal eben kurz mit ihm Spass zu haben (nein, nein, wirklich nicht – und dann war das Thema abgehakt). Die restlichen Fahrerinnen und Fahrer (es sind schon viele!) waren immer alle sehr nett und überhaupt nicht auf irgendwas aus!

Zum Ausgleich sehe ich einen wunderschönen Sonnenuntergang über der Autobahn voller Autos. An der Auffahrt stehe ich ein paar Minuten, weil dort wirklich niemand rauffährt, so abgelegen wie sie ist. Dann hält ein älteres Paar an (hurra, ein Paar!), ich kann in aller Ruhe hinten sitzen und bis Bern emotional runterkommen…

Biel-Langenthal, Freitagmittag

October 25th, 2008

Kurz nach 11 Uhr stelle ich mich an meine Lieblingsstelle in Biel: Eine Bushaltestelle gleich bei mir um die Ecke, am Rand des Stadtzentrums, etwa einen Kilometer vor der Autobahnauffahrt Biel Port. Normalerweise werde ich dort mit “Bern”-Schild innerhalb weniger Minuten mitgenommen. Heute aber stehe ich ohne Schild, denn ich muss 10km vor Bern von der kleinen A5 auf die grosse A1 wechseln und dann auf der A1 etwa 40km in Richtung Basel/Zürich fahren, bevor ich an der kleinen Abfahrt Niederbipp runter muss. Also warte ich, wer anhält, denn trampend gibt es so viele Varianten, von A nach B zu kommen!

Heute warte ich aber ausgesprochen lange für diese Stelle! Eine Auto nach dem andern fährt vorbei, viele starren einfach geradeaus und beachten mich nicht. Was für eine Gesellschaft.. Aber eine bekannte Tramperregel: Je länger die Wartezeit, umso besser geht es danach! Nach etwa einer Viertelstunde hält endlich eine Frau in einem schnittigen Sportauto an. Sie muss nur ein paar hundert Meter weiter, wohnt auch in Biel, aber trotzdem hat sie angehalten! Und sie ist mir auch eine grosse Hilfe, denn sie fährt an der Autobahnauffahrt vorbei. So stehe ich endlich direkt an der Auffahrt, und schon nach zwei Minuten hält jemand an – ein LKW! Mitten in der Kurve blockiert er die ganze Einfahrt, der Dragan aus Serbien. Er fährt nach Bern, ich steige ein ohne zu diskutieren wo ich denn wieder aussteigen kann. Er rät mir, auf der A1 noch ein Stück in Richtung Bern zu fahren und dann auf der Raststätte Grauholz auszusteigen. Ich bin einverstanden, vor allem weil ich erst vor ein paar Jahren einmal auf dieser Raststätte getrampt habe und sie schon lange wieder mal ausprobieren wollte. Dragan ist richtig nett und auf der Raststätte fährt er mit seinem Lastwagen extra für mich über die Brücke auf die andere Seite der Autobahn und dann ohne mich wieder zurück und weiter, obwohl er zeitlich unter Druck ist.

Auf der nun richtigen Seite der Raststätte Grauholz steht ein einziges Auto an der Tankstelle. Ich laufe mit meinem Strassenatlas in der Hand zum tankenden Fahrer und setze meine unschuldigste Mädchen-vom-Lande-Miene auf und frage so, als ob ich zum ersten Mal in meinem Leben trampen würde: “Hallo, guten Tag, darf ich Sie etwas fragen?” – “Fragen darf man immer” – “Fahren Sie zufällig in Richtung Olten??” (Natürlich fährt er in Richtung Olten, wohin denn sonst) – “Ja, also ich fahre nach Basel, warum?” – “Sie könnten mich nicht zufällig ein Stückchen mitnehmen??”. Ich zeige ihm einen Punkt auf der Karte, wo ich hinmuss. Dabei verhalte ich mich so charmant und hilflose-junge-Frau-mässig, dass nur ein herzloses Monster mich nicht mitnehmen würde :-) “Also gut, steigen Sie ein”, sagt er, und später im Auto: “Ich habe noch nie jemanden mitgenommen und nehme eigentlich niemanden mit” – ja ja… kennen wir doch… er ist ein Lehrer an einer Wirtschaftsschule, aber zu meinem Erstaunen hat er am Vormittag zu seinen Kindern geschaut und geht erst nachmittags arbeiten – sehr fortschrittlich! In Niederbipp fährt er für mich runter und lässt mich raus. Kaum bin ich ausgestiegen, hält auch schon das dritte Auto. Ein braungebrannter, grauhaariger drahtiger Mann mit Rotem-Kreuz-Emblem auf dem T-Shirt. Er ist soeben am Flughafen Genf gelandet und fährt jetzt zu seinen Eltern. Er ist direkt aus Afghanistan gekommen, wo er für das Rote Kreuz arbeitet. Am Sonntag fliegt er nach Mosambique, wo er wohnt. Dann weiter nach Somalia für einen Einsatz, bevor er im Januar wieder nach Kabul zurückfliegt. Er ist Spezialist für Bluttransplantationen und Labortechnik und bildet in Afghanistan Leute darin aus, damit sie irgendwann ohne IKRK-Hilfe Krankenhäuser führen können. Leider hätten aber die Taliban bereits wieder 50% des Landes unter Kontrolle, sagt er. Seine Arbeit sei immer ein Schritt vorwärts, zwei zurück. Krass. Dann lässt er mich 50m vor dem Haus meiner Freunde raus.

Gotha-Biel, 4.8.

August 5th, 2008

Gotha – A4/A5: Geplatzte Reifen
Um 10 Uhr morgens stelle ich mich mitten im Wald, ausserhalb des Festivalgeländes, an die Landstrasse. Nachdem in 10 Minuten bloss 3 Autos vorbeifahren und mich nicht mitnehmen, fällt mir ein dass es besser wäre, mein A4-Schild wegzulegen. Ein Lift auf die Hauptstrasse würde auch reichen. Gesagt, getan, und das nächste Auto nimmt mich den einen Kilometer mit. An der Haupstrasse hält auch gleich das erste Auto, ein Opa fährt auf die A4. Zwar nur eine Ausfahrt weiter, aber glücklicherweise liegt kurz davor bereits die erste Raststätte. Die Ausfahrt ist von der Tankstelle bis auf die Autobahn derart begradigt und eingemauert, dass die Autos nur so an mir vorbeibrausen. Nebenan steht ein Lastwagen, bei dem der Fahrer die Räder kontrolliert und dauernd zu mir rüberschaut. Bald darauf sitze ich in der Kabine; der Fahrer hatte in der Nacht einen geplatzten Reifen und musste deshalb auf der Raste übernachten und Reifen wechseln..
Einige Kilometer vor dem Reiskirchener Dreieck, bereits auf der A5, gibt es plötzlich einen lauten Knall und im Seitenspiegel sehe ich nur schwarzen Rauch und irgendwelche Splitter rumfliegen – wieder der Reifen! Der Fahrer und ich fluchen, mit 10kmh schleichen wir auf den nächsten Parkplatz. Dort sitzt eine Schweizer Grossfamilie, die aber keinen Platz mehr für mich hat dafür umso besorgter um mich ist. Kurz darauf sitze ich im Auto eines Betagtenheim”controllers” oder so was, der nach Frankfurt fährt. Eine gute halbe Stunde stehen wir noch im Stau..

A5 – Allein trampende Mädchen
Auf der Raststätte Wetterau stille ich erstmal meinen Hunger. Eine gleichaltrige junge Frau sieht mein Gepäck und spricht mich an. Sie sei auch am trampen und schon “ewig” hier, bestimmt schon 2-3 Stunden. Sie trampt allein und muss in dieselbe Richtung wie ich. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie eine Frau, die alleine reist, so lange stehen bleiben kann. Nun gut, ich will ihr ja nicht die Fahrer wegnehmen (sie spricht Leute direkt an) und laufe deshalb zur Ausfahrt, ohne mich gross nach Kennzeichen umzuschauen. Da mein Weg mich aber direkt an ein Auto mit Berner Kennzeichen hinführt wäre es ja dumm, zu widerstehen, und tatsächlich: Der Fahrer fährt nach Bern und ja klar, ich kann mitfahren! Ich kann mein Glück kaum fassen und schaue mich nach der anderen um. Sie hat auch schon gesehen wie ich mein Gepäck einlade. Natürlich kann sie auch mitfahren.
In Karlsruhe fahren wir kurz runter um sie abzuladen, dann gehts flott weiter bis in die Schweiz. Irgendwo bei Freiburg werde ich von der Schweizer Grossfamilie überholt. Gerne würde ich sie auch wieder überholen und rüberwinken, aber mein Fahrer ist DAS Vorbild im Abstand halten, so dass ich wohl erst eine halbe Stunde nach den andern über die Grenze komme.

Schweiz – Bern vs. Biel
Kurz bevor die A5 nach Biel von der A1 (nach Bern) abgeht, lasse ich mich auf der Raststätte Deitingen aussetzen. Es ist inzwischen 19 Uhr und nicht viel los. Die wenigen Autos fahren alle nach Bern. Ich bin total müde.. Schon nach einer Viertelstunde beschliesse ich deshalb, nach Bern zu fahren. Ein Arzt nimmt mich mit bis zum Bahnhof, wo ich den Zug nach Biel nehme. CHF 7.40 für Gotha-Biel ist vertretbar.. (-: