Short hitchhiking trip in California
“Hitchhiking in California????? Forget it!! Don’t even think about it!! Yes, there used to be a lot of hitchhikers.. but nowadays there are so many weirdos!” – I can’t remember how many people – Californians and others – gave me answers like this.. But as I was there without a car and as it is difficult or sometimes not even possible to use public transportation, hitchhiking seemed to be an option for me. Why should there be so many more “weirdos” on the streets of California than we have here in Europe?
But as it really seems to be a strange thing to do, my cousin decided to drive 5 hours up north just to pick us up before we could even stick a thumb out towards any street…
Anyway, one sunny monday we woke up and decided to go to Whiskeytown lake, that is located quite close to the city, it’s about a 15min ride. We walked over to the street that is leading out of town and to Whiskeytown lake, and stretched our thumbs out next to a gas station. Soon, a woman, probably working at the gas station, walked over to us and told us it was not a good idea to stand here. If we walked out of town we would have way better chances, she said. Well yes, she was right, but walking out of town would take us about one hour! So this lady asked every single car driver that was at the gas station. And she waved us over and told us to sit in this car; they would bring us to the end of the city. Great! We jumped on the back seat and a small dog jumped on us, trying to lick our faces like crazy. We couldn’t really get rid of it. But we found out that our driver didn’t have to go in this direction at all!! He only did it for us! How sweet! Now, at the city border, cars drove fast fast fast… But already after some seconds one car pulled over. Again, as we had climbed in, there was a small crazy dog trying to lick our faces. The driver didn’t really have to go to the lake, but of course he drove us up there, and he even went further to bring us to a nice empty beach!!
After being at the beach in our tanktops on the 4th of January (hehe) we decided to try to hitchhike back. There weren’t many cars.. actually I thought there was maybe one car every 15minutes or so.. As soon as we decided that we want to go back, two women showed up at the beach. We started chatting a little bit, some smalltalk, and guess what: They were just about to go back to Redding, and of course they would take us with them!
Easy as it can be!
Maybe next time I’ll have the chance to try to get to San Fran by hitchhiking!
Filed under Ausflug, California, Hitchhike Queens, Kurztrip, Ländlich | Comment (0)Biel/Bienne – Les Rasses VD, 90km, 1000 Höhenmeter
Wieder einmal hitchhiking at its best. Gestern war ich eingeladen, an einem Fest einer Kollegin zu rappen. Seit Tagen hatte ich verzweifelt meinen Schweizer Strassenatlas gesucht und ihn nicht gefunden. Also den Routenplaner von g.maps befragt und mit einer alten Schweizerkarte von 1969 oder so losgetrampt. g-maps wies mich an, die Autobahn in Richtung Neuchâtel-Yverdon in einem kleinen Kaff zu verlassen und dort eine Strasse zu nehmen, welche quer durch den Jura direkt in das Dorf führt, in das ich will. Also los.
Hinweg:
Mit dem Bus bis ausserhalb Biels. Das letzte Mal, als ich dort losgetrampt bin, fuhr ich nach Marokko. Heute ist alles etwas entspannter, allerdings habe ich nicht wirklich eine Ahnung, wo durch es geht. Nach wenigen Sekunden hält ein Auto, das mich ein paar Dörfer weit mitnimmt, dem Bielersee entlang. In Le Landeron lässt er mich an der Autobahnauffahrt raus. Es gibt keine Haltemöglichkeit ausser auf dem Pannenstreifen, kurz bevor die Autobahn beginnt, und ausserdem auch kaum Autos. Aber das dritte hält an – ein junger Mann im Alter meines kleinen Bruders, der gerade von der Armee kommt und nach Lausanne rast. Er fährt zur Hochzeit seiner Cousine und ist viel zu spät dran. Netterweise fährt er nicht nur bei der Ausfahrt St.Aubin raus, sondern mich auch noch nach St.Aubin rein, was schon einige Kilometer ausmacht.
In St.Aubin frage ich die lokale Bevölkerung nach dem Weg nach Les Rasses. Alle machen grosse Augen und können mir nicht weiterhelfen. Schliesslich finde ich einen Mann, der mich darüber aufklärt, dass da zwar eine Strasse hinführt, aber dass diese kaum bis gar nicht benutzt wird und dass alle über Yverdon-les-bains fahren – also weiter auf der Autobahn geblieben wären. Bon.. ich stelle mich an die einzige nennenswerte Kreuzung des Dorfes an die Hauptstrasse, die zur Autobahn führt. Minutenlang warte ich, ohne dass ein einziges Auto durchfährt – notabene um 17 Uhr an einem Freitagabend! Ein kleiner Junge kommt auf seinem BMX dahergefahren: “Bonjour Madame!”. Er erzählt mir, dass er Unihockey spielt und dass sie die besten der Region seien. Als ich soweit bin, dass ich ihn adoptieren möchte, höre ich ein Auto! Der Junge verabschiedet sich, und das Auto hält neben mir an. Er fährt nach Yverdon – perfekt! Er kennt sogar den Weg, den ich nehmen muss, und fährt an der richtigen Ausfahrt raus, wo er mich an einem Kreisel rauslässt. Dort ist bereits ein Wegweiser nach Ste.Croix, welches meine nächste Station ist. Ich male ein neues Schild. Wieder stehe ich an einer Stelle, wo es keine Haltemöglichkeit gibt.. aber mir bleibt nichts anderes übrig. Zum Glück hält schon nach wenigen Sekunden einer an. Er fährt ins letzte Dorf der Talebene, danach geht es nur noch steil rauf nach Ste.Croix. Kaum bin ich ausgestiegen, sitze ich bereits wieder im nächsten Auto. Der nette Herr muss nach Ste.Croix, ist aber so nett, mich bis Les Rasses zu fahren. Zwei Stunden, kaum Wartezeiten, perfekt!
Rückweg:
Samstagvormittag. Jemand hat mich von Les Rasses in das 6000-Seelendorf Ste.Croix gefahren, es ist 09 Uhr morgens und es herrscht dichter Nebel. Ich stehe an der Hauptstrasse, die ins Tal hinunterführt. Nach zwei Minuten werde ich von einer Frau mitgenommen bis zur Autobahnauffahrt bei Yverdon-les-Bains. Sie erzählt mir, dass diesen Frühling in der Region folgendes passiert sei: Eine Frau habe getrampt, und als ein Auto angehalten hat, sei ein Mann aus dem Gebüsch gekommen und die zwei hätten den Fahrer unter Gewaltandrohung gezwungen, zum Bankomaten zu fahren und sein Geld abzuheben.. Mann.. warum mich die Frau trotzdem mitgenommen hat? “Weil man sonst ja genausogut aufhören könnte, zu leben”.
Dann stehe ich an der Auffahrt, schon hinter dem Autobahnschild, weil es vorher keine Möglichkeit gibt. Schon das zweite Auto hält an! Er fährt nach Neuchâtel. Hier wird es ein wenig schwierig. Schon einmal fuhr ich auf der Strecke mit jemandem mit, die in die Stadt hineinfuhr. Da, wo wir die Autobahn verlassen, ist es praktisch unmöglich zu trampen, weil es eine Schnellstrasse mit lauter Mauern ist, wo alle Autos rasen und wo es keine Haltemöglichkeit gibt. Also in die Stadt. Mein Fahrer ist so nett und will mich ans andere Ende der Stadt fahren, wo es wieder eine Auffahrt zur Autobahn gibt. Leichter gesagt als getan.. überall sind Strassen gesperrt wegen dem Winzerfest.
Dann lässt er mich kurz vor der Autobahn raus – an einem total blöden Ort: Es ist ein Kreisverkehr mit zwei Spuren, wovon eine Strasse mit zwei Spuren abgeht: Die rechte zur Autobahn in Richtung Lausanne, die linke und innere in Richtung Biel. Ich könnte höchstens auf der linken Strassenseite stehen. Aber jeder, der anhält, riskiert, vom nächsten überfahren zu werden, weil es nur ein paar hundert Meter vor der Autobahn ist und alle schon beschleunigen. Also laufe ich zurück, aber auch hier ist die Strasse schon zweispurig, und nur die linke Spur führt nach Biel… zum Glück ist es Samstagvormittag und dementsprechend herrscht wenig Verkehr. Ich versuche es vom Trottoir aus mit Schild. Viele FahrerInnen fahren kopfschüttelnd auf der linken Spur vorbei…
Dann kommt das Tramp-Erlebnis des Jahres dahergefahren: Ein Partymobil. Es ist ein oranger kleiner Bus, aus dem lauter Techno dröhnt. Innen sitzen sieben (7) Jungs im Alter von ca. 20-24 Jahren. Es ist morgens um 10 Uhr, Zeit für ein erstes Bierchen und den ersten Joint… Als sie neben mir anhalten, johlen alle und klopfen an die Decke. Ich muss so fest lachen ob diesem Anblick, dass mir alle guten Vorsätze von wegen “nicht einsteigen bei mehreren Männern” vergessen gehen. Das hier sind Jugendliche im Partymobil und ich habe ein gutes Bauchgefühl. So steige ich unter Gejohle ein und kriege Bierchen, Suze und Joint angeboten. Die Jungs sind aus Genf und fahren nach Zürich. Testosteron pur. Sie haben zu siebt in diesem VW-Bus geschlafen letzte Nacht und sehen auch dementsprechend aus. Aber sie sind sehr nett, und in Biel fahren sie mich sogar durch die ganze Stadt bis zu einer grossen Kreuzung kurz vor meinem Zuhause. Als ich aussteige, singen sie alle zusammen “Joyeux Anniversaire!” für mich, so dass sich alle PassantInnen der Umgebung verwundert umdrehen. Wieder mal ein einmaliges Erlebnis, das einem nur beim Trampen passieren kann.
Filed under Gründe, Kurztrip, Ländlich, Schweiz | Comment (0)Ernüchterung jetzt und Glück das nächste Mal
Biel-Bern: Meistens keine grosse Sache, wie trampen überhaupt für mich.. -> Solche Erfahrungen und so eine Haltung führt zu Übermut, und Übermut muss wohl ab und zu in die Grube fallen… So stand ich heute bei 2° und leichtem Regen beinahe eine halbe Stunde an der BP-tankstelle in Biel-Nidau. Kurz bevor ich den Zug nehmen wollte, hielt ein Auto an, das nach Lyss fuhr. Mein Tramperstolz liess mich einsteigen, und als der Fahrer mir anbot, mich in Lyss an den Bahnhof zu fahren, war es auch mein Tramperstolz der mich sagen liess “ach nein, ich probiers hier an der Auffahrt!”.
Und wenn ich nicht nach einer halben Stunde aufgegeben hätte, würde ich wahrscheinlich noch jetzt an dieser äusserst schlechten Stelle stehen… Schlussendlich lief ich durch den Wald auf die andere Seite, wollte wenigstens wieder gratis nach Biel zurückfahren. Aber auch das sollte anscheinend nicht sein. So wanderte ich weiter nach Lyss, zum Bahnhof, wo immerhin gerade ein Zug fuhr.
Lieber kein Glück bei Biel-Bern als bei Biel-Wroclaw nächste Woche!! ….
Und: Immerhin konnte ich endlich mal zwei, drei Fotos machen.. meistens fehlt mir ja die Zeit dazu weil ich sofort mitgenommen werde……….
sich bei Auffahrten rumtreiben
Filed under Bern-Biel-Bern, Gründe, Kurztrip, Ländlich, Schweiz | Comment (1)Wenn sich die Fahrerinnen und Fahrer um mich reissen…
Biel-Wichtrach, Montagnachmittag
Um 16 Uhr laufe ich der Bernstrasse entlang auf die letzte Tankstelle vor der Autobahneinfahrt zu. Einen Meter nachdem die Hecke, die einem dort von der Strasse trennt, fertig ist, halte ich aufs Geratewohl meinen Daumen raus. Etwa acht Autos fahren vorbei, halten aber schon 50m weiter vorne an einer roten Ampel an. Plötzlich Pfiffe. Ein Kleinbus voller Jungs hat die Türen geöffnet, zwei der Jungs sind ausgestiegen und winken mir, ich solle einsteigen. Ich renne auf den Bus zu, obwohl die Vorstellung, mit einem halben Dutzend Halbwüchsiger, die alle belustigt am Fenster kleben als wären sie im Zoo und ich das Exotentier, mit so einem halben Dutzend also nach Bern zu fahren, nicht besonders Spass macht. Da läuft weiter vorne die Fahrerin des zweitvordersten Autos mir entgegen und ruft: “Ich fahre aber nur bis Schönbühl”. Diese Frau, die ja alleine im Auto sass, ist tatsächlich an der roten Ampel ausgestiegen, um die Autos rumgelaufen und mir entgegen, um mich aufzuladen! Schnell springe ich rein und die Ampel ist schon auf grün. Ich bin überwältigt. Bis Schönbühl haben wir sehr sehr interessante und tiefschürfende Gespräche. Sie wäre bei der Geburt ihrer Zwillinge beinahe (mitsamt ihren Zwillingen) gestorben und erzählt mir, wie zu dieser Zeit auf der Intensivstation Gott zu ihr gesprochen habe. Die Frau ist so toll, dass sie auch mir Fragen stellt und mich erzählen lässt. Oftmals wollen viele Fahrerinnen und Fahrer nur reden, wenn sie schon mal jemanden zum zuhören haben.. Was ja auch gut sein kann.
In Schönbühl steige ich – wieder an einer roten Ampel – aus und stelle mich auf der anderen Strassenseite mit “Thun”-Schild hin. Ich versuche es mal so. Sollte es nicht klappen (wer fährt schon von Schönbühl nach Thun….) kann ich immer noch nach Bern fahren und von Bern wieder raus. Es ist bereits am eindunkeln aber hat auch schon viel Feierabendverkehr. Schon nach 5 Minuten hält ein kleines Auto an. Ein junger Mann – und er fährt nach Thun! Ich springe rein und bin schon wieder bei jemandem ganz interessantem gelandet! Er arbeitet 60% als Lehrer und macht daneben noch diverse andere Kleinjobs, unter anderem Velofahren mit Touristen auf einem 17m langen Gruppenfahrrad. Er ist total positiv und als ich ihm irgendwas erzähle, wirft er begeistert seine Arme in die Luft und schüttelt mir die Hand um mir zu irgendwas zu gratulieren. Und obwohl er schon zu spät dran ist, fährt er extra für mich an meiner Ausfahrt (Kiesen) runter und weiter bis zu einer Stelle wo ich gut stehen kann, wo die Schnellstrasse aufhört.
Inzwischen ist es schon fast dunkel. Ich stehe irgendwo auf freiem Feld vor irgendeiner kleinen Ortschaft. Mein Ort, Wichtrach, muss eines der nächsten Dörfer sein. Viele, viele, viele Autos fahren vorbei. Bis eines mit HH-Schild anhält: ein Hamburger und seine Freundin! Sie nehmen mich mit, aber müssen schon nach 500m rechts abbiegen für ins Emmental rein.. 98% der Autos tun dasselbe, und mir wird auch klar warum mich vorher niemand aufgegabelt hat. Kaum bin ich ausgestiegen hält auch schon wieder ein Auto und fährt mich bis vor die Tür von da, wo ich hinwill. Es brauchte mich ziemlich genau eine Stunde. Gemäss Routenplaner bräuchte man für die Strecke gut 45 Minuten. Hurra!
Filed under Ausflug, Bern-Biel-Bern, Gründe, Kurztrip, Ländlich, Schweiz | Comments (4)Biel-Zürich, Dienstagvormittag
In Zürich ist eine Ausstellung über den polnischen Künstler Tadeusz Kantor. Es ist 10 Uhr am Vormittag, nach Zürich wären es per Zug 1h15; ich muss um 16 Uhr 30 in Biel zu arbeiten beginnen. Um 10.30 stehe ich an der Hauptstrasse, noch mitten in der Stadt. Die Hauptstrasse führt in ein Aussenquartier, von dem aus man auf die andere Stadtseite gelangt, dort, wo die A5 nach Solothurn-Zürich beginnt. Ich stehe zuerst mit A5-Schild an der Bushaltestelle, dann ohne Schild. Von den wenigen Autos hält keines. Als der Bus kommt (nach ca. 10 Minuten warten) steige ich ein und fahre ein paar Kilometer mit. Dann laufe ich rückwärts, mit ausgestrecktem Daumen, in Richtung Autobahn. Circa 1km vor der Auffahrt hält ein Auto an und nimmt mich mit bis dahin.
An der Auffahrt ist wenig los. Ich stehe mit “ZÜRICH”-Schild, aber nichts.. Inzwischen ist 11 Uhr vorüber, ich werde langsam nervös. Schon habe ich mein Schild weggepackt und trampe mit blossem Daumen, als ein Auto anhält. Der junge nette (!) Mann (!) kann mich zwar nur 5km mitnehmen, bis zur Raststätte Pieterlen. Aber immerhin! On the road! Dieses Gefühl ist unvergleichbar und macht fast jede Wartezeit wett! Auf der Raststätte begrüsst mich gähnende Leere.. Auf dem Parkplatz stehen vereinzelte LKW’s und etwa 5 Autos, aber in den ganzen 15 Minuten, die ich dort stehe, laufen nur 4 Menschen raus – und alle fahren nach Biel. Endlich läuft weiter vorne ein LKW-Fahrer zu seinem Fahrzeug, sieht mich und ruft zu mir rüber, ob ich mitfahren will. Er fährt zwar nicht nach Zürich rein, aber in ein Dorf etwa 10km vor Zürich.
So fahre ich kurz darauf mit 85km/h über die A5 auf die A1 in Richtung Zürich. Wir unterhalten uns ab und zu, meistens hören wir das Radio-Gewinnspiel, was auch gut ist. Auch hier wieder – nur damit dies auch mal festgehalten wird – ein sehr netter Mann, keine Anmachversuche, keine blöden Sprüche. Ich könnte nun bei einer der zwei nächsten Raststätten aussteigen oder bis zu seiner Ausfahrt mitfahren. Da ich nicht annehme dass jemand, der nach Zürich reinfährt, bei einer Raststätte 15km vorher noch anhält, beschliesse ich, mit ihm mitzufahren. Wettingen Ost entpuppt sich aber als dumme Stelle. Die Autobahnausfahrt mündet direkt in eine Autostrasse für 1-2km. Dann kommt eine Kreuzung: Die einzige weit und breit, und weit und breit keine Zivilisation und wenige Autos. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin!! Doch ich springe an der roten Ampel aus dem Lastwagen und stelle mich direkt an der Kreuzung an den Strassenrand der Hauptstrasse, die nach Zürich führt. Aus der Gegenrichtung fahren Autos auf die Autobahn in Richtung Zürich – doch dort kann ich mich nirgends hinstellen, unmöglich.
Aber schon bei der nächsten Rotphase hab ich Glück: Ein superteurer Protz-Offroader steht an der Ampel gegenüber. Der Fahrer kurbelt das Fenster runter und ruft “Bern!Basel!Zürich!”. Ein dummer Spruch, ja ja, bin ich mir gewohnt. Doch ich rufe zurück “Zürich?” und er “Steig ein!”. Ohne zu Zögern springe ich hinüber und hinten rein. Er sei Kosovare und handle mit Autos. Jedes zweite Wochenende fährt er mit einem Auto in den Kosovo und fliegt dann zurück. Von Zürich in den Kosovo seien es nur 15 Stunden Fahrt – hammer. Muss ich auch mal machen! Er fragt, wo ich in Zürich hinmuss. Ich sage Limmatstrasse, denn dort ist das Museum. Er guckt irritiert. Später hält er auf einer Tankstelle, gibt mir 20sFr und bittet mich, ihm einen Eistee kaufen zu gehen. Ich solle mir auch was nehmen. Wenige Minuten darauf erreichen wir Zürich und er fragt, was ich denn TAGSÜBER an der Limmatstrasse wolle. Es stellt sich heraus, dass dort nachts der Strassenstrich ist… na gut.. Nachdem ich ihm mehrmals versichert habe, dass ich nicht “der Arbeit willen” an diese Strasse will, fährt er mich direkt vor die Tür des Museums! Es ist 13 Uhr, und ich habe komfortable 2 Stunden Zeit für die Ausstellung, bis ich den Zug zurück nach Biel nehme..
Filed under Kurztrip, Schweiz, Uncategorized | Comment (0)Biel-Langenthal, Freitagmittag
Kurz nach 11 Uhr stelle ich mich an meine Lieblingsstelle in Biel: Eine Bushaltestelle gleich bei mir um die Ecke, am Rand des Stadtzentrums, etwa einen Kilometer vor der Autobahnauffahrt Biel Port. Normalerweise werde ich dort mit “Bern”-Schild innerhalb weniger Minuten mitgenommen. Heute aber stehe ich ohne Schild, denn ich muss 10km vor Bern von der kleinen A5 auf die grosse A1 wechseln und dann auf der A1 etwa 40km in Richtung Basel/Zürich fahren, bevor ich an der kleinen Abfahrt Niederbipp runter muss. Also warte ich, wer anhält, denn trampend gibt es so viele Varianten, von A nach B zu kommen!
Heute warte ich aber ausgesprochen lange für diese Stelle! Eine Auto nach dem andern fährt vorbei, viele starren einfach geradeaus und beachten mich nicht. Was für eine Gesellschaft.. Aber eine bekannte Tramperregel: Je länger die Wartezeit, umso besser geht es danach! Nach etwa einer Viertelstunde hält endlich eine Frau in einem schnittigen Sportauto an. Sie muss nur ein paar hundert Meter weiter, wohnt auch in Biel, aber trotzdem hat sie angehalten! Und sie ist mir auch eine grosse Hilfe, denn sie fährt an der Autobahnauffahrt vorbei. So stehe ich endlich direkt an der Auffahrt, und schon nach zwei Minuten hält jemand an – ein LKW! Mitten in der Kurve blockiert er die ganze Einfahrt, der Dragan aus Serbien. Er fährt nach Bern, ich steige ein ohne zu diskutieren wo ich denn wieder aussteigen kann. Er rät mir, auf der A1 noch ein Stück in Richtung Bern zu fahren und dann auf der Raststätte Grauholz auszusteigen. Ich bin einverstanden, vor allem weil ich erst vor ein paar Jahren einmal auf dieser Raststätte getrampt habe und sie schon lange wieder mal ausprobieren wollte. Dragan ist richtig nett und auf der Raststätte fährt er mit seinem Lastwagen extra für mich über die Brücke auf die andere Seite der Autobahn und dann ohne mich wieder zurück und weiter, obwohl er zeitlich unter Druck ist.
Auf der nun richtigen Seite der Raststätte Grauholz steht ein einziges Auto an der Tankstelle. Ich laufe mit meinem Strassenatlas in der Hand zum tankenden Fahrer und setze meine unschuldigste Mädchen-vom-Lande-Miene auf und frage so, als ob ich zum ersten Mal in meinem Leben trampen würde: “Hallo, guten Tag, darf ich Sie etwas fragen?” – “Fragen darf man immer” – “Fahren Sie zufällig in Richtung Olten??” (Natürlich fährt er in Richtung Olten, wohin denn sonst) – “Ja, also ich fahre nach Basel, warum?” – “Sie könnten mich nicht zufällig ein Stückchen mitnehmen??”. Ich zeige ihm einen Punkt auf der Karte, wo ich hinmuss. Dabei verhalte ich mich so charmant und hilflose-junge-Frau-mässig, dass nur ein herzloses Monster mich nicht mitnehmen würde
“Also gut, steigen Sie ein”, sagt er, und später im Auto: “Ich habe noch nie jemanden mitgenommen und nehme eigentlich niemanden mit” – ja ja… kennen wir doch… er ist ein Lehrer an einer Wirtschaftsschule, aber zu meinem Erstaunen hat er am Vormittag zu seinen Kindern geschaut und geht erst nachmittags arbeiten – sehr fortschrittlich! In Niederbipp fährt er für mich runter und lässt mich raus. Kaum bin ich ausgestiegen, hält auch schon das dritte Auto. Ein braungebrannter, grauhaariger drahtiger Mann mit Rotem-Kreuz-Emblem auf dem T-Shirt. Er ist soeben am Flughafen Genf gelandet und fährt jetzt zu seinen Eltern. Er ist direkt aus Afghanistan gekommen, wo er für das Rote Kreuz arbeitet. Am Sonntag fliegt er nach Mosambique, wo er wohnt. Dann weiter nach Somalia für einen Einsatz, bevor er im Januar wieder nach Kabul zurückfliegt. Er ist Spezialist für Bluttransplantationen und Labortechnik und bildet in Afghanistan Leute darin aus, damit sie irgendwann ohne IKRK-Hilfe Krankenhäuser führen können. Leider hätten aber die Taliban bereits wieder 50% des Landes unter Kontrolle, sagt er. Seine Arbeit sei immer ein Schritt vorwärts, zwei zurück. Krass. Dann lässt er mich 50m vor dem Haus meiner Freunde raus.
Biel-Stuttgart-Biel, 14./15. Juni 08
Während der Arbeit am Freitagabend erfahre ich, dass ich den Samstag frei bekomme. Also schnell eine SMS an meine Stuttgarter Freunde, um 01 Uhr nachts nach Hause, Strassenatlas, Karton und Filzstift zusammen suchen und schnell ins Bett.
Samstag, 10.30 Uhr: Ich stehe an der Bieler Hauptstrasse. Alle Autos in Richtung Zürich/Basel müssen hier vorbei. Es herrscht viel Verkehr, und schnell werde ich mitgenommen für ca. 1km an den Stadtrand, bis kurz vor der Autobahnauffahrt (und bekomme beinahe einen Heiratsantrag – steige schnell aus). Nach einer Minute werde ich mitgenommen von einem Reggaesänger und seinem Gitarristen, die gerade auf dem Weg ins Studio sind. Sie fahren mit auf der Autobahn auf eine Tankstelle und erzählen mir eine halbe Stunde lang, wie gefährlich das Trampen für eine Frau, und erst noch alleine!, doch ist.
Auf der Tankstelle wimmelt es regelrecht von Holländern!! Alles ist orange, die Tankstelle total verstopft von Autos mit Fussballfans. So habe ich mehr als genug Zeit, alle Autos abzuchecken, und finde bald eine Frau in ihrem BMW mit einem Stuttgarter-Vorortskennzeichen. Misstrauisch öffnet sie ihr Fenster einen Spaltbreit. Fragt, ob ich viel Gepäck dabei habe, und als ich verneine und auf meinen kleinen Rucksack zeige, findet sie auf die Schnelle keine andere Ausrede und sagt “also gut”. Sie kommt gerade von ihrem Zweithaus in Frankreich und muss schnell heim, weil sie da Tennis spielt. Thema Radarfallen: Ach ja, kürzlich hatte sie gerade eine Busse von 2’500 Euro (!!). Dann geht es ins Politische: All die Linken schreien immer “Zweiklassenmedizin”. Dabei, sagt sie, sei es halt nun mal so: Die einen können sich ein gutes Auto leisten, die andern nicht. Die einen können sich gute Medizin leisten, die andern nicht. -Ich überlege, ob ich aussteigen soll, aber dann schweigen wir uns an bis zur nächsten Tankstelle, wo ich sowieso rausmuss, weil sie nicht bis Stuttgart fährt. Netterweise macht sie mich darauf aufmerksam, dass das einzige Auto auf der Tankstelle ein Heilbronner Kennzeichen habe und durch Stuttgart fahre. Ich springe raus und zu besagtem Auto, einige Sekunden später sitze ich schon drin (wieder ein BMW). Da sie nach Heilbronn weiterfahren, lassen sie mich in einem Vorort von Stuttgart raus. Eine Passantin klärt mich auf, dass ich den Bus XY, der in 20 Minuten fahre, bis zur Haltestelle ZX nehmen müsse, dort den Bus VWX bis RST und so weiter. Eine weitere Passantin läuft dazu, rettet mich, nimmt mich mit nach Hause, kocht mir ein Essen mit Fleisch und Salat und allem, und schickt ihre Tochter, sie solle mich in die Stadt reinfahren. So werde ich vor der Haustür meiner Freunde abgeladen, 4-einhalb Stunden nach meiner Abfahrt in Biel. Mit dem Zug hätte es 4 Stunden gedauert und 72€ gekostet..
Sonntag, 14.15 Uhr. Mein Gastgeber fährt mich bis kurz vor die Auffahrt zum Autobahnzubringer. Mit Schild “A 81″, auf dessen Rückseite “Appenzeller Bier” prangt, stehe ich 10 Minuten, da es sehr wenig Verkehr hat. Dann nehmen mich eine Flugbegleiterin, die gerade von New York kommt, und ihr Mann, der kürzlich in Appenzell (ich zeige ihm meine Schildrückseite) war, mit bis zur ersten Raste. Sie lieben die Schweiz und wären vor zwei Monaten beinahe nach Bern gezogen. Auf der Raststätte versuche ich es mit ansprechen. Die Fahrer von 4 Autos mit Zürcher (=Schweizer) Kennzeichen sind alles Deutsche und fahren nicht nach Zürich, was mich etwas verwirrt. Nach weiteren erfolglosen Versuchen stelle ich mich mit Schild “CH” vor die Auffahrt und werde prompt von zwei Hannoveranern mitgenommen bis kurz nach Konstanz. Dort gibt es keine Tankstelle, so dass ich in ihrem Kaff mit von der Autobahn runterfahren muss. Was sich aber nicht als schlecht erweist: In den nächsten 3 Minuten fahren 3 Autos vorbei, alle würden mich mitnehmen, aber erst das dritte fährt in Richtung Zürich. Ein Mercedes, in dem ich mich kaum getraue abzusitzen. Das Ehepaar vorne ist suuupernett und erzählt begeistert von ihren Reisen mit dem Motorrad, als sie noch jung waren, und hach!, wie sie damals in Südfrankreich ein Hotel gesucht hätten… Kurz nach Winterthur (vor Zürich) lassen sie mich auf einer Mini-Tankstelle raus. Ziemlich direkt kann ich vom Mercedes in ein nur noch halb fahrtaugliches Autö-chen zu einem Punker umsteigen. Er wohnt in Bern in einer Wagenburg und ist ziemlich schweigsam. Nach Olten steige ich an einer Raststätte aus, stelle mich mit Schild “Biel” hin und werde wiederum nach nur wenigen Sekunden mitgenommen von einem Berufsmusiker. Er fährt mich zu meinem Fahrrad, und 5 Minuten später bin ich daheim! Vier Stunden, nachdem ich in Stuttgart losgefahren bin.
Fazit: 6 Fahrer, 4 Fahrerinnen. Bauingenieur, Flugbegleiterin der Lufthansa, Fitnesstrainer in einem 4-einhalb-Sterne Hotel, Hausdame einer Altersresidenz, Tennisspielerin, Reggaesänger, Saxophonist, Wirtschaftspädagoge, Lehrerin, Schlosser, DJ), je 4 Stunden; Ausgaben: 0.-
Filed under Deutschland, Kurztrip | Comments (3)Jura – Chasseral, 10. Juni 08
Es war ein schöner Tag. Mein spanischer Tramperkollege war zu Besuch und wir hingen im Garten herum, bevor ich ihm den Jura zeigen wollte. Gegen Abend brachen wir endlich auf. Wir verliessen das Haus und es begann zu regnen!
Es war ungefähr 16.30, wir liefen im Regen der Hauptstrasse entlang, nach etwa einem Kilometer versuchten wir unser Glück und streckten die Daumen raus. Schon nach ein paar Sekunden nahm uns eine junge Frau mit, die zur Autobahnauffahrt fuhr, von da aber leider in die falsche Richtung. Bei der Auffahrt mitten im Industriegebiet war der Feierabendverkehr bereits in vollem Gange. Immer noch regnete es, und war es deswegen, dass wir fast 10 Minuten stehen mussten? Wir versuchten alles: Lächeln, winken, auf die Strasse stehen, in 10m Abstand stehen,… Nachdem Dutzende von Autos mit Schweizerfähnchen bestückt (es lief bereits die EM) vorbeigefahren waren, hielt ein grosser Offroader mit Totenkopffahne. Der Fahrer trug ein Totenkopf-kopftuch und überall hingen irgendwelche Totenkopfemblem-accessoirs. Und der Fahrer war supersympathisch! Er fragte, wo wir hinwollten, ich sagte, dass ich dem Spanier den Jura zeigen wolle und an den See “Etang de la Gruyère” gedacht hatte. Der Fahrer musste zwar nicht dahin, aber wollte uns hinfahren, weil er genug Zeit hatte!
Oben im Jura regnete es immer noch, und der Fahrer schlug vor, uns auf den Chasseral (ca. 1’630müM) zu fahren, weil es da ein Restaurant habe und eine wunderbare Aussicht.
Wir fuhren an seinem Dorf vorbei und dann circa eine halbe Stunde lang bergauf. Auf dem Gipfel angekommen – wo es notabene nicht mehr regnete, sondern grad die Sonne überm Seeland unterging – kehrte er grad wieder um, weil er mit seiner Hardrockgruppe Probe hatte. Dieser Typ fuhr etwa 1 Stunde nur wegen uns einen Berg hoch und wieder runter!! Ich war verblüfft, dass der spanische Kollege mit seinem “if you just go and try, the luck will find you” recht hatte, und der Hardrocker bestätigte mich mit dem Sprichwort “La chance se provoque!”
Auf dem Parkplatz des Chasserals standen 4 Autos, das Restaurant schloss in drei Stunden und im Innern sassen etwa sechs Gäste. Wir genossen ein Feldschlösschen und anschliessend draussen die Aussicht, machten Fotos und begannen mit runterlaufen. Lustigerweise entdeckte ich auf dem Parkplatz ein Auto mit polnischem Kennzeichen! Wir liefen etwa 10 Minuten runter, in dieser Zeit fuhren zwei Autos an uns vorbei rauf und eines an uns vorbei runter.
Dann kamen wir an eine Kreuzung (siehe erstes Bild), von der aus man etweder auf die eine Seite des Bergs runter kann oder – - – - auf die andere. Wir beschlossen, dort zu warten, da es uns ja einerlei war in welche Richtung runter, wir kannten uns eh nicht aus. Schon nahm uns ein Deutscher, der seit Jahren im Jura wohnte und arbeitete, mit bis St.Imier (das erste Dorf im Tal).
Dort an der Hauptstrasse hielt auch schon das erste Auto für uns, ein junger Sozialarbeiter, der nach Biel fuhr. In Biel liess er uns mitten im Industriegelände raus und wir mussten erstmal etwa eine Viertelstunde auf die andere Seite zur Hauptstrasse laufen. Dort streckten wir versuchsweise einfach mal den Daumen raus, eine ältere Frau hielt an. Da sie grad nichts zu tun hatte, fuhr sie uns bis vor die Haustüre – laut Schlagermusik hörend, der Text ging ungefähr so: “Und dann fahr ich weg, in den Süüüüüüüüüüüüüüüüüüden, einfach weg, einfach los, einfach fort!”.