Schweiz-Marokko, April 09

June 23rd, 2009

Biel-Frankreich

Samstagvormittag, 10 Uhr 45. Mit dem Bus bin ich aus der Stadt rausgefahren auf die Hauptstrasse Richtung Neuchâtel/Lausanne/Genf. Nach 2 Minuten an der Haltestelle nimmt mich einer mit. Er stammt ursprünglich aus Paris und fährt in ein Dorf vor Neuchâtel, ist aber so nett, mich bis Neuchâtel zu bringen. Er fährt mich auch noch durch die Stadt bis ein paar hundert Meter vor die Autobahnauffahrt. Es ist 11 Uhr 30. Ich laufe zur Autobahn und komme an einer Tankstelle vorbei. Dort spreche ich eine Frau an, die gerade ihren Offroader betankt, und sie kann mich ein Stück mitnehmen! Sie ist supernett und macht einen ca. 20km-Umweg, um mich bis auf die A1 auf die Raststätte Bavois zu bringen

Dort warte ich auch wieder nur 5 Minuten an der Auffahrt, und schon nimmt mich ein Lette mit bis kurz vor Nyon. Er würde zwar heute noch nach Frankreich fahren, aber vorher am Flughafen Genf Leute abholen. Da bleibe ich lieber auf der Autobahn. Ich muss erstmal auf der Toilette meine warmen Kleider ausziehen, es ist richtig schön warm und frühlingshaft. Dann laufe ich wieder zur Auffahrt und strecke meinen Daumen raus. Nach 10 Minuten nehmen mich zwei Aargauer mit bis kurz vor Annecy/Aix-les-Bains! Sie fahren mit GPS und haben keine Karte vorbei, und mir fehlt ausgerechnet das Stück Karte, auf dem wir in Frankreich fahren. So habe ich keine Ahnung, wo sie durchfahren um in den Süden zu gelangen. Also steige ich auf einer verlassenen Aire (Raststätte) aus.

Frankreich

Es ist wenig bis nichts los dort, während auf der Autobahn dichter Verkehr vorbeirast – Mann!!! Mein weiterer Weg sieht auf der Karte ziemlich kompliziert aus; ich muss zuerst in Richtung Lyon, aber kurz vorher auf eine andere Autobahn wechseln, jedoch nur für wenige Kilometer, und dann weiter auf die A7. Welches Schild soll ich raushalten? Was für Lifts kann ich annehmen? Vorerst aber warte ich… Ein komischer Typ hält an und will mir partout nicht verraten, wohin er fährt. Ich sage ihm, wohin ich will, worauf er antwortet, er könne mich dorthin bringen, falls ich nett sei. Am liebsten hätte ich ihm die Tür ins Gesicht geschlagen, ich will gar nicht wissen was er mit “nett sein” meint. Aber ich verabschiede mich höflich, erst als er mich noch fragt ob er mich küssen darf, schlage ich die Tür zu und stelle mich wieder zur Auffahrt. Er bleibt noch einige Minuten dort stehen, bevor er endlich wegfährt. Ich bin wütend und frustriert und warte schon seit 45 Minuten, es ist mitten am Nachmittag und ich wollte eigentlich heute bis tief in den Süden von Frankreich kommen.

Aber dann hält Mathieu an! Er fährt nach Marseilles! Das ist das grosse Los! Wir fahren mit flottem Tempo durch halb Frankreich, er ist extrem nett und kauft mir Nougat und Wasser. Dann fährt er auch noch etwa 200km zu weit für mich! Er habe Zeit.. So bin ich bei Sonnenuntergang kurz vor Montpellier, schon fast am Meer.

Ich will zuerst dort irgendwo campieren, finde aber kein Versteck, und beschliesse deshalb, es nochmal zu versuchen, so lange noch ein bisschen Tageslicht da ist. 10 Minuten später hält eine Frau – Annie. Sie fährt bis kurz vor die spanische Grenze, in die Nähe von Perpignan. And guess what….. Sie lädt mich ein, bei ihr zu übernachten. Um 22.30 kommen wir in Argèles-sur-mer an, essen etwas, und gehen dann schlafen.

Frankreich-Spanien

Am nächsten Tag – ein Sonntag – möchte ich eigentlich früh los. Aber wir sind weit weg von der Autobahn und ich völlig von Annie abhängig… ausserdem will ich ja nicht unhöflich sein. Also essen wir Frühstück, ich kann nochmal duschen, wir laufen kurz zum Meer (300m), und dann fährt sie mich nach Perpignan zu einer Péage-Station. Es ist 11 Uhr.

Ich warte 15 Minuten, dann bringt mich ein netter junger Taxifahrer eine Péage-Station weiter. Dort warte ich 20 Minuten, und steige dann bei Christoph ein, obwohl er nur bis über die Grenze, in die Stadt La Jonquera fährt. Ich denke mir, dass ich ja dort bei der Péage aussteigen kann. Aber natürlich geht alles ganz schnell, wir kennen uns beide nicht aus, und zack – schon sind wir von der Autobahn runter und können nirgends anhalten. Nun finde ich mich in einer spanischen Kleinstadt, wo alle hinfahren um Zigaretten und Alkohol zu kaufen. Christoph möchte hier etwas essen, und würde mich dann zur Péage fahren. Was bleibt mir anderes übrig? Ausserdem ist er sehr nett. Wieder dauert alles länger, wir bleiben anderthalb Stunden dort. Dann fährt er zurück in Richtung Frankreich und ich steige an der Mautstation aus.

Nun muss ich irgendwie auf die andere Seite der Autobahn kommen. Die Peaje-Station in meine Richtung liegt etwa 100 Meter weiter zurück. Ich renne an der Mittelleitplanke entlang und dann von Barriere zu Barriere, bis ich rechts am Rand angekommen bin. Überall sind riesige Halteverbotsschilder aufgestellt. Die Autos rasen heran und rasen wieder weg, zudem sind praktisch alle Autos vollgestopft mit Kind und Kegel. Ich habe Angst, dass plötzlich die Polizei auftaucht und mich in die Stadt fährt. Also bete ich…… und stelle mich zwischen zwei Barrieren auf. Plötzlich ist da ein Auto, in dem nur eine Person sitzt. Und in dem der Nebensitz frei ist von Gepäck! Ich schaue flehend hinein und rufe durch die Scheibe “Direccion Barcelona??”. Der Fahrer bedeutet mir mit einem Kopfnicken, einzusteigen. Hinter ihm ist die Barriere schon wieder aufgegangen für das nächste Auto. Ich quetsche mich auf den Sitz, meinen Rucksack zwischen die Frontscheibe und mein Gesicht gepresst. Er fährt los und sagt “I go to Morocco”. … Natürlich kann ich mein Glück nicht fassen! Da stelle ich mich darauf ein, im schwierigen Spanien ewig zu trampen, und finde einen 1’300km-Lift durch ganz Spanien! Unglaublich.

Mein Fahrer heisst Abdul, hinter ihm fährt in einem anderen Auto seine deutsche Freundin Gisi. An der nächsten Tankstelle steige ich zu ihr ins Auto um, da sie mehr Platz hat, und weil Abdul will, dass sie ein bisschen Unterhaltung hat, damit sie nicht einschläft. Ich bin die nächsten 17 Stunden mit den beiden unterwegs. Wir essen zusammen Picknick und fahren die ganze Nacht durch. Irgendwann wird es mühsam, weil ich mich nicht getraue, einzuschlafen.. Gisi scheint mir sehr müde zu sein, also gebe ich mir Mühe, sie wachzuhalten. So um 3 Uhr früh bin ich ganz mies drauf und muss richtig kämpfen… Aber es geht.. irgendwie… Spanien bei Nacht.. durch die Berge, Kaffeetrinken irgendwo in einer verlassenen Raststätte,…

Ich will eigentlich nach Malaga, weil ich da am Montag eine Freundin treffe, um mit ihr die Fähre nach Marokko zu nehmen. Aber als wir in Malaga durchfahren, ist es 4 Uhr früh, und ich getraue mich nicht, in irgendeiner Raststätte auszusteigen. Keine Ahnung, wie ich von da in die Stadt reinkommen würde, zudem ich seit fast 24 Stunden wach bin… Also fahre ich mit bis Tarifa. Kurz nach 6 Uhr kommen wir da im Hafen an. Die Sonne geht auf, und um 7 fahren die beiden auf die Fähre.

Ich wanke durch die Stadt und suche die Autobahnauffahrt. Dann sehe ich eine Bushaltestelle und finde heraus, dass der Bus nach Algeciras fährt.. für 2 Euro oder so… Kaum bin ich eingestiegen, schlafe ich durch bis wir eine knappe Stunde später dort ankommen. In Algeciras kaufe ich mir ein weiteres Busticket nach Malaga, um nochmal zwei Stunden schlafen zu können. Am Montagnachmittag bin ich dann dort.

Biel, Schweiz – Tarifa, Spanien: 9 Lifts. Von Samstag, 11 Uhr, bis Montag, 07 Uhr.